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VON
WOLFGANG JOST
BERLIN.
In Bayern gehen die Uhren anders. Zumindest schulsportlich. Während
im Freistaat gerade die dritte Stunde Schulsport gestrichen worden ist,
hat Berlin einen Versuch gestartet, mehr Sport an der Schule zu ermöglichen.
Die Poelchau-Oberschule, eine Gesamtschule mit gymnasialer Oberstufe in
Charlottenburg, startet mit zwei siebten Sportklassen in das neue
Schuljahr am 4. August. Laut Rektor Rüdiger Barney werden diese beiden
Schulklassen mit Berliner Leistungssportlern und Talenten täglich zwei
Stunden Sport haben, ohne daß deshalb der Lehrplan geändert werden müsse.
Das Modell sei zudem „kostenneutral", bedürfe also keiner zusätzlichen
Stellen, die Stundenzahl bleibe gleich. Notwendiger Förderunterricht
werde über Arbeitsgemeinschaften oder Schülergruppen geleistet.
Anders als in den sportbetonten Schulen in Mitte und dem Ostteil (Coubertin-Gymnasium,
Flatow-Oberschule, Werner-Seelenbinder-Schule) werden die beiden
Sportklassen an der Poelchau-Oberschule, deren 550 Schüler weiter mit
65 Lehrkräften, davon zehn Sportlehrern, auskommen müssen, besondere
sportliche Unterstützung durch Verbände, Vereine und den
Landessportbund (LSB) bekommen. Soweit möglich, so Rüdiger Barney,
„kommen die Vereins- und Verbandstrainer also zu uns". In allen
anderen Fälle seien geeignete Anlagen (wie z.B. das Landes-Ruderzentrum
am Hohenzollernkanal)
in der Nähe. |
Allerdings
wird man zunächst nur vier Sportarten anbieten können - ausgewählt
werden soll aus Fußball, Leichtathletik, Basketball, Hockey, Rudern,
Radsport, Ringen und Segelfliegen. In vier Jahren sollen dann alle vier
Mittelstufenklassen täglich zwei Sportstunden haben.
Danach wird im Modell-Versuch, der laut LSB-Vizepräsident Dietrich
Gerber „kein Ersatz" für eine noch zu schaffende sportbetonte
Schule im Berliner Westen sein soll, Bilanz gezogen.
Großes Interesse und entsprechende Unterstützung zugesagt haben von
Vereins bzw. Wirtschaftsseite der Regionalligist Tennis Borussia mit
seinem Sponsor, der Göttinger Gruppe.
TeBe-Präsident und Vorstands-Mitglied Kuno Konrad: „Wenn die
Wirtschaft sich mit Sportstars schmücken will, dann soll sie auch dort
etwas tun, wo sie gemacht werden." Laut Konrad wird sich die
„materielle Unterstützung" (Rektor Barney) durch seinen
Finanzkonzern nicht nur auf den Sektor Fußball beschränken.
Genehmigt
werden soll das erst vergangenen Oktober angedachte und danach von 75
Prozent des Kollegiums gutgeheißene Schulprojekt noch im Februar.
Volker Marquardt von der Außenstelle des Landesschulamtes, der das
Vorhaben bereits geprüft hat, signalisierte bei der Vorstellung im
„Haus des Sports" gestern bereits Zustimmung.
„Vielleicht", so hofft Rektor Rüdiger Barney, „haben wir in
zehn Jahren ja sogar zehn Sportklassen." Ob Bayern dann über die
letzte Sportstunde diskutiert?
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