Sportschule im Westen notwendig ?  


vom 29. Oktober 1999

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Dr. Rainer Höttler

Sportschule im Westen notwendig?

Landessportbund für weitere Kaderschmiede in Berlin - Senat warnt vor «Mauer in den Köpfen»

Von Susanne Vieth-Entus

Der Berliner Leistungssport hat zehn Jahre nach der Wende noch keine einheitlichen Strukturen in Ost und West. Die hochspezialisierten Einrichtungen im Ost-Teil existieren weiter, ohne dass der West-Teil aufholt.

Um den Ausgleich zu beschleunigen, hat der Landessportbund jetzt seine Forderung nach einer Sportoberschule im West-Teil erneuert. Die Senatssportverwaltung ist skeptisch.
«Der Landessportbund muss den Bedarf erstmal nachweisen», verlangt Rainer Höttler vom Sportsenat. Die Schließung einer der drei Ost-Schulen zugunsten eines West-Standortes lehnt er mit Hinweis auf die «ungeheuere Infrastruktur» der Ost-Schulen ab. Im Übrigen komme es einem «Neuaufbau der Mauer in den Köpfen gleich», wenn man eine Schule im West-Teil aus dem Boden stampfe, nur um den Vorbehalten von West-Eltern entgegenzukommen.
Der LSB sieht dies anders. Er bemängelt die weiten Anfahrtswege für sportbegeisterte Kinder etwa aus Spandau oder Lichterfelde. Die Vorbehalte gegen die ehemaligen Sport-Kaderschmieden seien nicht der Hauptgrund für den geringen Anteil von West-Schülern.
Tatsache ist, dass die Sportoberschulen bis heute kaum durchmischt sind. An der Flatow-Schule dürften nur etwa 15 von 700 Schülern aus dem Westen kommen, schätzt Schulleiter Gert Sunkel. An der «Coubertin» und «Seelenbinder» sind es «zehn bis 15 Prozent». Gerd Neumes, Leiter der Seelenbinder-Schule, räumt zwar ein, dass manches Kind keine Spezialschule brauche, um zu Höchstleistungen zu kommen. Dennoch sei das häufigere Training an diesen Schulen natürlich ein gewaltiger Vorteil. Er schlussfolgert, dass eine vierte Schule die Bedingungen für die Schüler aus dem West-Teil «erheblich verbessern würde».
LSB-Chef Manfred von Richthofen sorgte schon vor vier Jahren dafür, dass die Forderung nach einer West-Sportschule in die Koalitionvereinbarungen aufgenommen wurde. Den Vorwurf, dass seither nichts geschehen sei, weist Höttler zurück. «Die Charlottenburger Poelchau-Gesamtschule baut seit zweieinhalb Jahren ihr Profil aus und kommt einer Sportoberschule schon sehr nahe», betont der Abteilungsleiter.
Schulleiter Rüdiger Barney  verweist auf einen deutschen Meister im Rudern, den seine Schule jüngst hervorgebracht habe. Zudem gebe es etliche Erfolge u. a. beim Mädchenfußball und Schwimmen. Die Wege zu den Trainingseinrichtungen seien in maximal 15 Minuten zu bewältigen.
Tatsächlich liebäugelt der Sportbund stark damit, eine Schule nahe des Olympiastadions zur Sportoberschule auszubauen. Dort gebe es die nötigen Anlagen, die ohnehin saniert werden müssten.

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