Multikulti in Charlottenburg  


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VI /1999

Sportmodell Poelchau-Oberschule:

Multikulti in Charlottenburg

Die Poelchau-Gesamtschule im Bezirk Charlottenburg ist eine von über 100 Schulen in Berlin. Doch im Unterschied zu den allermeisten anderen Bildungseinrichtungen spielt die sportliche Betätigung an dieser Schule eine herausgehobene Rolle. Wer da meint, Hockey würde beim SC Charlottenburg im weiblichen Nachwuchsbereich nur von Deutschen gespielt werden, der irrt. Seit zwei Jahren gehören auch die beiden türkischen Mädchen Eda Ates (15) und Gülcan Yola (14) zu denjenigen, die erfolgreich mit dem Krummstab die kleine

Hockeykugel über den Kunstrasen befördern. Rund ein Viertel aller Schülerinnen und Schüler der Poelchau-Schule sind Ausländer - Türken, Araber, Polen, Ghanaer Jugoslawen, Mazedonier. Für viele von ihnen, speziell für die Mädchen, ist das erweitere Sportangebot der Schule, eine gute Möglichkeit, zu demonstrieren, daß auch sie, obwohl in ihrer Heimat viele Sportarten keine Tradition besitzen, gut mithalten können. 
Kamil Jasinski ist Pole. Er trainiert 



erst seit neun Monaten, Ende April gewann er bei einer Ruderregatta in Grünau seinen ersten Wettkampf im Einer. Charles Takyi stammt aus Ghana. Seit sechs Jahren spielt der heute 14jährige be­reits im Nachwuchs von TeBe. Doch nicht nur der Fußball geistert in seinem Kopf - obwohl bereits Profi‑Vereine wie Schalke 04, Werder Bremen oder Hansa Rostock für den außerordentlich beweglichen und technisch versierten Mittelfeldspieler Interesse bekundet haben. In seiner Truppe, die erst kürzlich den FC Berlin aus dem Berliner Pokal ausgeschaltet hat, zu spielen, mache großen Spaß, sagte er uns. Und mit Jeffrey Seitz, seinem Cousin, an der.Seite klappen einige Kombinationen besonders gut. Sein wichtigstes Ziel aber, dem er alles unterordnen wolle, sei das Abitur und danach ein Medizinstudium. 
Aus Guben an der Neiße kommt Alexander Knappe. Zwei Jahre besuchte er die Sportschule in Cottbus, anfangs mit Schwerpunkt Leichtathletik, später dann der Wechsel zum Fußball. Sein Herz hing an Energie. Als sich aber seine Mutter beruflich veränderte und nach Berlin übersiedelte,
ging der Junge mit. Das Profil der Poelchau-

Schule kam seinen Intentionen entgegen. Die Liebe zu Energie blieb, doch auch TeBe hat es ihm inzwischen angetan. "Wenn ich mich entscheiden müßte, Abstieg für Cottbus oder Aufstieg für TeBe - ich wüßte keinen Antwort", gestand er freimütig. Viermal 75 Minuten Fußballtraining bietet ihm die Schule von 7 Uhr 20 bis 9 Uhr 20, dazu kommen dreimal 90 Minuten Training mit den TeBe-Nachwuchstrainern Markus Schatte (A-Lizenz) und Dennis Anton (B). 
Seit zwei Jahren existiert die Zusammenarbeit zwischen der Schule und TeBe. Gegenwärtig besuchen die 37 Nachwuchskicker die 7. bzw. 8. Klasse. Den Transport von der Schule zum Sportplatz am Kühlen Weg hinter dem Mommsen‑Stadion ermöglichen zwei schuleigene Busse, gesponsert von der Göttinger Gruppe. Im Herbst wird eine neue 7. Klasse aufgenommen. 120 Kinder bewarben sich um 18 Plätze, so TeBe-Trainer Schatte.

Peter Herrmann

Presse

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