Keine KJS - eine verrückte Sportschule ...


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Keine KJS - 
eine "verrückte" Sportschule
aus: SPORT IN BERLIN VI 99

Was wäre eigentlich geschehen, wäre die Bewerbung von Werner Stahr um die ausgeschriebene Direktorenstelle der Friedrich-Ludwig-Jahn-Schule in Potsdam, der ehemaligen KJS, vor Jahren von Erfolg gekrönt gewesen?
Die Stelle ist heute wieder frei. Doch da fragt Rüdiger Barney, Direktor der Poelchau-Oberschule am Halemweg 24 in Charlottenburg, etwas verwirrt seinen Sportkoordinator: „Sie würden doch nicht etwa..." Die Antwort kommt prompt: „Mich noch mal zu bewerben, das kommt nicht in Frage."
Stahr, lange Zeit wissenschaftlich tätig, wollte wieder in den Schuldienst zurück. Von 1972 bis 1980 war Stahr Lehrer für Sport und Physik an der Poelchau-Schule. Nach zwölf Jahren kehrte er mit neuen Plänen zurück. Verstärkung bekam er ein Jahr darauf mit dem neuen Direktor Rüdiger Barney, selbst aktiver Volleyballer und  

passiv allgemein sportinteressiert. Dieser fragte angesichts abnehmender Akteptanz und Schülerrückgang: „Wie geht es mit dieser Schule weiter. Welches neue Profil kann sie bekommen?" 
Das Ergebnis einer Befragung: „Probieren wir es mit dem Sport." Zwei Großturnhallen, eine Kunstrasen-Anlage mit Flutlicht, das nahe Stadion Jungfernheide und das Landesleistungszentrum Rudern, 15 Minuten von der Schule entfernt, bieten heute optimale Bedingungen für ein Training während der Unterrichtszeit. Heute gibt es diese Abteilungen, aus Schülern der 7. und 8. Klasse gebildet: Schwimmen (30 Schüler), Ringen (12), Leichtathletik (30), Hockey (18), Basketball (15), Rudern (15), Tischtennis (10) und Fußball (37). Zudem gibt es eine Abteilung Wahlpflichtsport Radsport/Inline-Skating (30 /17). „Ohne die Hilfe unserer Kollegen am Seelenbinder-Gymnasium hätten wir es
nicht so schnell 



geschafft", sind sich Direktor und Sportkoordinator einig. „Im Sport gibt es keine Geheimnisse. Wir sind keine Konkurrenten. Es muß im Westteil der Stadt noch mehr solcher Farbtupfer wie uns geben", sind sich beide einig.
„Der Fußball wurde der Renner“, erläuterte Werner Stahr, „der Kontakt mit dem damaligen TeBe-Manager Jürgen Sundermann aufnahm. Mit Unterstützung der Göttinger Gruppe, die auch zwei große Mannschaftsfahrzeuge zur Verfügung stellte und zwei Honorar-Trainer verpflichtete, war manches möglich. Das ist wichtig für die Eltern."
Das Engagement der „sportverrückten" Poelchau-Schule honoriert mittlerweilen auch der Senat. Auch bei Frau Stahmer und Herrn Löhe ist die Skepsis gewichen, es im Westteil nicht zu schaffen, eine dort neuartige Sportförderung zu realisieren. Mittlerweilen gibt es in den alten
Bundesländern auch schon 56 „Poelchau-Schulen".

„Unsere Arbeit muß aber kostenneutral abgedeckt werden", umreißt der Direktor und erinnert daran, daß es nach dem Abzug der Alliierten den Plan gab, in deren Einrichtungen eine Sportschule im Westteil der Stadt auf dem Gelände des Olympiastadions zu gründen. Das Problem war, es fehlte zur Idee an den richtigen Leuten, sie umzusetzen. Nicht die Eltern waren Schuld.
„Auch wir mußten beim Punkt null anfangen", sagt Sportkoordinator Stahr. „Wir konnten nicht versprechen, nächstes Jahr haben wir einen Olympiateilnehmer." Wie wahr! „Doch wir haben bei uns an der Schule genügend verrückte Leute, die sich für den Sport auch bei uns engagieren." Und nicht nur dort. Einen ersten Sponsor fanden sie im Opel-Autohaus Hetzer. Sie stellte der neugegründeten Ringer-Abteilung einen Bus zur Verfügung.

Hans-Jürgen Zeume

Presse

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