Aktivitäten innerhalb und außerhalb der Schule ...

Wir sind innerhalb und außerhalb der Schule aktiv...

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Im 7. Jahrgang führen wir Projektwochen zum Thema "Medienkonsum" durch, in denen die Schülerinnen und Schüler anhand eigener Erfahrungen den Umgang mit Zeitung, Radio und Fernsehen durchleuchten und in Kooperation mit dem "Offenen Kanal Berlin" Fernsehbeiträge selbst erstellen. 

Zum 9. November führen wir jährlich mit allen Klassen zeitgeschichtliche Projekte durch, bei denen wir uns, nicht zuletzt in der Verpflichtung unserem Namensgeber gegenüber, unserer jüngsten Vergangenheit widmen. So erkunden zum Beispiel die 7. Klassen, weshalb die Straßen unseres Viertels die Namen von Widerstandskämpfern tragen und besuchen die Gedenkstätte Plötzensee. 

Andere Klassen befragen Zeitzeugen und die älteren Schülerinnen und Schüler fahren in die Normannenstraße, nach Sachsenhausen, Halbe oder Auschwitz. (siehe auch Artikel unten!)
Selbstverständlich gehen wir auch auf Klassenfahrt, wobei die Ziele über ganz Europa verteilt sind. Dass diese Fahrten kein Urlaub sind versteht sich für uns von selbst. Wir haben zum Beispiel in der Türkei einen eigenen Fernsehfilm gedreht, Segeln auf einem großen "Pott" auf dem Ijsselmeer gelernt, sind in den Alpen zu Skifahrern geworden oder besuchen andere Schulen und Schüler in den Partnerstädten unseres Bezirkes.


vom 29.12.2001

Schonungsloser Umgang mit der eigenen Vergangenheit

Nazi-Opfer Josef «Muscha» Müller erzählt Schülern der Poelchau-Oberschule von seinem Leben

Von Christiane Rathmann

Reinickendorf - Manchmal sind es Kleinigkeiten, die Josef Müller traurig stimmen. Wenn ein früherer Arbeitskollege Bilder von den Söhnen und Töchtern herumzeigt beispielsweise. «Als junger Mensch hat mich das nicht gestört, aber je älter du wirst, desto mehr wünschst du dir eine Familie», sagt er, der keine Kinder hat. Josef «Muscha» Müller ist ein rundlicher älterer Herr von 69 Jahren mit einem freundlichen Gesicht. Die dunklen Augen blitzen unternehmungslustig hinter einer dezenten Brille, von den früher dichten schwarzen Locken ist nur ein ergrauter Haarkranz übrig geblieben. Er ist einer, der schnell warm wird mit den Menschen. «Hier ist der Muscha», meldet er sich am Telefon. «Wie geht es dir?» In Reinickendorf kennt er Hinz und Kunz. Aufgeschlossen ist er - und «für einen Scherz bin ich immer zu haben».
Dabei hatte Josef Müller kein leichtes Schicksal. Die Nationalsozialisten quälen, erniedrigen und verfolgen den kleinen Jungen, weil er Sinti ist. Im Alter von zwölf Jahren wird er in einem Krankenhaus in Halle zwangssterilisiert, und nur die «Entführung» durch Freunde seiner Pflegeeltern rettet ihn vor dem Abtransport in das Konzentrationslager Bergen-Belsen. «Dort hätte ich in meinem Alter niemals überlebt.»
Josef Müllers weiteres Leben ist geprägt von einem offenen, schonungslosen Umgang mit seinem Schicksal und dem an ihm und seinem Volk verübten Verbrechen. Dazu gehört seine Arbeit als Zeitzeuge in Schulen im gesamten Bundesgebiet. Das läuft bei ihm keineswegs wie in einer langweiligen Geschichtsstunde ab, in der die früheren Ereignisse nüchtern auf Daten und Fakten reduziert werden. «Da ist Pfeffer dahinter», sagt Müller. So präsentiert der Reinickendorfer an einem Freitag den Schülern der Charlottenburger Poelchau-Oberschule ein packendes Rollenspiel. Er übernimmt den Part des bösen Lehrers Wilde. Ein Schüler schlüpft für wenige Minuten in das Kind Muscha, das drangsaliert und auf dem Pausenhof als «Zigeunerschwein» beschimpft wird. Gebannt lauschen die heutigen Schüler, wie Müller als Achtjähriger den Weihnachtsmann zu hassen lernt. «Josef, du bist ein Mulatte. Für solche Kinder hat der Weihnachtsmann nichts. Verschwinde», schimpft dieser Nazi-Rauschebart in Gestalt des feindseligen Lehrers. Und sie erfahren, dass die Nazis den kleinen Muscha wie einen Verbrecher behandeln. Eine dem Rassenwahn verfallene Ärztin zwingt ihn im Alter von acht Jahren, sich nackt auszuziehen, schneidet ihm eine Haarlocke ab und nimmt auch seine Fingerabdrücke.
Die demütigende, traumatische Prozedur gehört zu einer «rassenhygienischen Untersuchung» wie es in der Terminologie des NS-Regimes heißt, bei der er als so genannter «Zigeunermischling» registriert wird. Bis zu diesem Tage wächst der kleine Muscha in einer normalen Familie in Halle auf. Nur langsam begreift er, dass er «anders» ist und ausgegrenzt wird. Viel später erst erfährt er, dass seine leiblichen Eltern Sinti sind und er bei Pflegeeltern groß geworden ist.
Nach dem Krieg, den Müller versteckt in einer Gartenlaube überlebt, beginnt sein zweiter Kampf. Um Anerkennung als Nazi-Opfer. Zuerst in der damaligen DDR und seit den 50er-Jahren in Hamburg, Bonn und Berlin-Reinickendorf. Er schafft es nach vielen Aushilfsjobs, wieder Fuß in seinem erlernten Beruf als Heilpädagoge zu fassen. 1987 wird eine Schwerbehinderung akzeptiert, es folgt nach zähem Ringen die Anerkennung als Verfolgter des Naziregimes. «Eine Entschädigung habe ich nicht bekommen.»
Verbittert ist er deshalb keineswegs. Dafür macht Müller, der dem Vorstand der Roma-Union und dem Bund der Verfolgten des Nazi-Regimes angehört, das Leben zu viel Spaß. «Und einen Heiligenschein habe ich auch noch nicht», sagt er und lächelt verschmitzt.

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