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Ganz
glücklich schaut Rüdiger Barney von der Poelchau‑Gesamtschule in
Charlottenburg nicht. Dabei initiierte der Direktor zu Beginn des
laufenden Schuljahres ein sportliches Projekt, wie es in ganz Berlin
kein zweites Mal zu finden ist. Insgesamt 94 Schülern aus drei siebten
Klassen wurde die Chance eingeräumt, täglich am Vormittag zwei Stunden
zu trainieren. Zehn Stunden in der Woche. Die Hockey-Mädchen üben im
Horst-Korber-Zentrum, die jungen Leichtathleten schwärmen zur Rudolf-Harbig-Halle
aus, die Fußballer tummeln sich auf dem schuleigenen Kunstrasenplatz.
„Sportbetonte
Schule im wahrsten Sinne", nennt es Barney. Schüler für den Sport
zu begeistern sei das erste Anliegen, Talente zu finden und zu fördern
ein Nebeneffekt. „Man muß einfach Mut haben und rangehen an die
Vereine. Wir haben einen Schwimmtrainer gefunden, der unsere Sportler
zunächst kostenlos betreute. Inzwischen bekommt er ein paar Mark vom
Bezirksamt Charlottenburg, das uns half, wo es konnte. "Auch die
Senatsverwaltung soll helfen. „Wir brauchen mehr Vertrauen, mehr
Freiheit und Eigenständigkeit", wünscht sich der 49 Jahre alte
Direktor. Er formulierte es sehr vorsichtig, denn Sport‑Senatorin
Ingrid Stahmer saß bei dem Austausch zum Thema „Berliner
Sportschulen" nur drei Meter von ihm entfernt. Schon gar nicht rückte
Barney damit heraus, den Status zu begehren, wie ihn die Nachfolger der
Kinder- und Jugendsportschulen in den östlichen Bezirken besitzen: Die
Werner-Seelenbinder-Schule in Hohenschönhausen, die Flatow-Oberschule
in
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Köpenick
und das Coubertin-Gymnasium im Prenzlauer Berg. Hier treten derzeit 2982
Mädchen und Jungen in die Fußstapfen berühmter Vorgänger wie
Franziska van Almsick, Andreas Wecker oder Jan Ulrich.
Ingrid Stahmer findet das Poelchau-Beispiel „ideal", weil es so
schön kostenneutral sei. Dem Charlottenburger Projekt den Zuschlag für
eine vierte Sportschule zu geben, wie sie von der Senatsverwaltung für
den Westteil der Stadt angekündigt wurde, davor scheut die Senatorin
zurück. An zwei anderen Schulen ist der Versuch unternommen worden, sie
nach dem Vorbild des Trios im Osten auszurichten. Kollegium und Eltern
sperrten sich.
Höchst
unlogisch, wie das Versprechen an der Poelchau-Schule eingelöst werden
könnte. „Dort ein Internat bauen? Unmöglich", so die Senatorin.
Wegen der hohen Internatspreise von mittlerweile 500 Mark pro Monat habe
es dort 30 Prozent Abmeldungen gegeben. „Pro Sportart haben wir höchstens
einen qualifizierten Lehrer, wo wir doch zwei bräuchten. Beim Fechten,
Bogenschießen und Boxen haben wir überhaupt keinen speziell
qualifizierten Lehrer", klagt Gerd Neumer, Direktor der
Werner‑Seelenbinder‑Schule. Demnächst müßten die jungen
Sportler dort für ein Mittagessen sechs Mark berappen. Dank der
Berliner Bankgesellschaft, die für die drei Sportschulen insgesamt 180
000 Mark bereitstellte, kann das Schlimmste verhindert werden. Nummer
vier scheint auf ewig abgehakt. Rüdiger Barney muß resigniert
feststellen: „Politisch ist das wohl nicht gewollt." |