Corinna Schönemann im Interview

aus: TriNews, Fachzeitschrift für Triathlon, 1992

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..über Triathlon in der DDR, Zeitgeist, Politik, Lebensziele, Leben mit und ohne Triathlon

Corinna ist am 18. März 1966 geboren und ist mit ihren Eltern und einem zwei Jahre älteren Bruder in Berlin Prenzlauer Berg aufgewachsen. Durch Offenheit und sportbegeisterte Eltern wurde ihr von Klein auf vieles ermöglicht: Schwimmen, Skilaufen, Wasserspringen, Ballett und schließlich Leichtathletik. Von 5-11 Jahre war Corinna Ballettschülerin und sie wollte unbedingt zur staatlichen Ballettschule. Dazu bedurfte es einer zweitägigen Aufnahmeprüfung und es hat nicht geklappt bei ihr. Begründung: der zu athletische Typ. Der Vater war empört: "Meine kleine zarte Tochter soll zu athletischsein!" Für Corinna brach die 

halbe Welt zusammen, denn ohne berufliche Perspektive wollte sie Ballett nicht weiter betreiben. Bald schon ließ sie sich zu einem schulischen Vierkampf überreden. Das Wichtige hierbei war der Mannschaftsgedanke, der es Corinna leicht machte - zwar noch mit Gymnastikanzug und Schläppchen - schnell zu laufen. Der erste große sportliche Erfolg stellte sich in dieser Vierkampfmannschaft ein: DDR - Meister! Als Belohnung flog das Team nach Rumänien zum Internationalen Leichtathletik Vierkampf- Turnier - in Nationalmannschafts- anzügen, mit DDR-Emblem, und das mit 12/13 Jahren. Auf eine KJS (Kinder- und Jugendsportschule) ging Corinna nicht. Diese Schulen waren politisch stark an die Sportclubs Dynamo gebunden und außerdem sollte Sport immer ihr Hobby bleiben und nicht einseitig ausgerichtet sein. Andere Dinge wie Kultur, Gitarre oder Singe-Gruppen sollten nicht zu kurz kommen.
Corinna ist eher untypisch aufgewachsen, einen Teil ihrer Jugend hat sie mit ihren Eltern in einem Zirkuswagen auf dem Dorf verlebt. Neuendorf liegt 50 km von Berlin entfernt, dort fuhr die Familie oft gleich nach der Schule hin...
1984 machte Corinna Abitur und fing gleich mit dem Sport- und Erdkundestudium an der Humboldt-Universität an...Während des Studiums war Corinna in der Leichtathletik als Mittelstreckenläuferin aktiv. Sie wurde bei Studentenmeisterschaften 4., ... Die 800m läuft sie in 2:20 und für 1500m ist sie nur 4:50 unterwegs.
Durch Zufall erfuhr sie damals auch vom Triathlon in Leipzig... Da ist sie auf den Geschmack gekommen wie schön es ist mit den drei unterschiedlichen Sportarten...

TrN: In der DDR gab es Triathlon zunächst gar nicht. Hatte das politische Gründe?
C: Ja, ja auf alle Fälle. Das war vom Klassenfeind. Das kam aus den USA....
TrN: Die wenigen Triathleten in der DDR, waren das andere Leute, so vom Geister her?
C: Ja, einige schon. Wir hatten einige ganz typische Leute dabei, .. z.B. Lars Liepe, der war auch immer bei den Krawallen dabei... Bei bestimmten Leuten war das Illegale wichtig, bei mir war es, weil mir der Sport Spaß gemacht hat mit den Leuten....
TrN: Wie hast Du den Fall der Mauer erlebt ?
C: Ich hab mich riesig gefreut und fühlte mich total frei.... Es war klar, dass ich bestimmte Dinge in meinem Leben verändern müsste....
TrN: Was gefällt Dir jetzt am Besten ?
C: Am Schönsten ist die Reiserei.
TrN: Was gefällt Dir nicht ?
C: ... so viel vom Geld abhängt, damit wird so viel Ideelles einfach vergessen. Ich sag immer von mit, ich bin ein Spirit... nur wenige Leute wissen wirklich, was eine kleine Aufmerksamkeit ist, viel wird an materiellen Dingen gemessen....
TrN: Du hast Dir als 10-fache Ironfrau einen Namen gemacht, hast in Roth, Hawaii, Australien teilgenommen. Wie schätzt Du den ganzen Rummel dort ein ?
C: Es wird immer kommerzieller. Ich hatte deswegen auch dieses Jahr keine Lust in Roth zu starten... Das ganze Drum und Dran stößt mich eher ab....
TrN: Wie lässt sich das Training mit dem Beruf vereinbaren ?
C: Schwer teilweise. Natürlich in den Ferien super.. Ansonsten nach der Arbeit fällt es schon manchmal schwer.. Und mit Micha zusammen klappt das auch viel besser.. Wenn einer keine Lust hat, hat der andere mal einen guten Tag....
TrN: Findest Du Triathlon einen für Jugendlich geeigneten Sport oder siehst Du durch die hohen Trainingsumfänge die Gefahr der Vereinsamung ?
C: Man muss ja nicht vereinsamen, sondern kann viele Dinge zusammen machen...
TrN: Du hast an einem Projekttag mit Schülern Triathlon gemacht. Welches Bild hast Du versucht vom Triathlon zu vermitteln ?
C: Dass man durch Training und Wettkämpfe viel draußen in der Natur ist, dass Du vielseitig bist, abwechslungsreich trainieren kannst, bei den Wettkämpfen rumkommst und viele nette Leute kennenlernst.
TrN: Du wirkst immer so positiv, hast Du einen bestimmten Spruch oder Lebensmotto?
C: Ja, "Live is too short" und "Erwarte Nichts, erlebe Alles", dass man nicht verkrampft irgendetwas versucht, sondern sich an vielen Sachen erfreut, so wie es kommt.
TrN: Hast Du konkrete Ziele, oder soll es Freizeit bleiben ?
C: Man muss immer Ziele haben. Ein Ziel - den Ironman unter 10 Stunden. Und wenn nicht unbedingt mehr so hart Triathlon,.., eine gute Marathonzeit wäre auch mein Ziel.
TrN: Und Wünsche im Leben ?
C: Ja, Kinder... und Reisen in mehrere Ecken, wo ich noch nicht war, z.B. Südamerika finde ich vom kulturellen Bereich ganz toll.
TrN: Kannst Du Dir ein Leben ohne Triathlon vorstellen ?
C: Ja, schon. Ohne Sport nicht unbedingt.....

(Das Interview wurde gekürzt)
Corinna Schönemann

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