Noch in der Warteschleife ...


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Der Stundenplan wird in der Poelchauschule um das Training herum gebaut

Noch in der Warteschleife

aus: SPORT IN BERLIN X/2005

Genau genommen befindet sich die Poelchau-Oberschule, die sportbetonte Gesamtschule mit gymnasialer Oberstufe am Halemweg 24 im Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf nahe der Jungfernheide, noch in der Wartschleife. Doch niemand hegt ernsthafte Zweifel daran, dass diese Bildungseinrichtung im kommenden Sommer den offiziellen Status einer Eliteschule des Sports erhält, wie das für die im Ostteil der Stadt gelegene Seelenbinder- und Flatowschule sowie das Coubertin-Gymnasium schon seit langem der Fall ist. Direktor Rüdiger Barney: "Wir sind sehr zuversichtlich, dass unser Abschlussbericht nach fünfjähriger Testphase sowohl vom Senat und als auch vom Deutschen Sportbund positiv beschieden wird."

Derzeit werden folgende Sportarten angeboten: Fußball (für Jungen und Mädchen), Hockey, Basketball, Schwimmen/Wasserball, Rudern, Tischtennis, Leichtathletik, Moderner Fünfkampf und Tanzen. Neu hinzu kam mit Beginn dieses Schuljahres auf Anregung ECC Preußen/Juniors noch Eishockey und auch Tennis, wo sich eine ganze Reihe hochtalentierter Spieler und Spielerinnen zusammengefunden hat. Aufgenommen werden übrigens in die 7. Klasse nur solche Schüler, die eine Empfehlung ihres Landesverbandes mitbringen und Sichtungsprüfungen bestehen, entsprechende Zeugnisse (mindestens eine "Zwei" im Sport) vorweisen und vom Sportarzt eine Unbedenklichkeits-Empfehlung erhielten.

Großer Profiteur ist bislang Hertha BSC, denn fast der gesamte Nachwuchskader besucht inzwischen die Poelchauschule. Kein Geringerer als der jetzige Bundesliga-Cheftrainer Falko Götz brachte 2000/2001 in seiner damaligen Funktion als Jugend-Koordinator den Stein ins Rollen und erfüllte damit auch die vom DFB

geforderten Richtlinien von einer Fußball-Akademie in Berlin, wobei in jedem Fall eine duale Erziehung gewährleistet sein sollte, also in sportlicher und schulischer Hinsicht. Nicht weniger als zehn Spieler, die vor ein paar Wochen im Finale um die Deutsche B-Jugend-Meisterschaft gegen Hansa Rostock mit 2:0 gewannen, drücken hier am Halemweg die Schulbank. Übrigens legten die Hertha-Verantwortlichen großen Wert darauf, dass ein Gegengewicht zu den rauhen, kickenden Burschen geschaffen wurde. Deshalb wurden zehn Tänzerinnen des Post SV in die Klasse aufgenommen, wobei sich sehr schnell ein gutes Verständnis entwickelte.

Dreimal in der Woche herrscht ein reger Verkehr zwischen der Poelchauschule und den einzelnen Trainingsstätten. Während Hertha einen eigenen Shuttle-Dienst organisiert hat, fahren die übrigen Sportler und Sportlerinnen mit einem vom Bezirksamt gecharterten und bezahlten BVG-Bus, der drei verschiedene Stationen ansteuert, 

um zuerst am Olympiastadion die Fünfkämpfer und Schwimmer abzusetzen, anschließend die Hockeyspieler und danach die Leichtathleten in der Harbighalle/Korberzentrum. Die Tischtennisspieler trainieren vor Ort, die Ruderer laufen durch die Jungfernheide zum Leistungszentrum Hohenzollernkanal und die Basketballer nehmen die U-Bahn zur Sömmering-Halle.
Der Stellvertretende Schulleiter Ehrhard Koch weiß, dass er den Stundenplan um die sportlichen Gegebenheiten herum zu bauen hat. "Das heißt aber nicht, dass wir irgendjemandem etwas schenken:" Bei Bedarf können Klausuren verschoben werden, es gibt Crashkurse, Nachhilfe- und mitunter auch Samstag-Unterricht. Sportkoordinator Werner Stahr spricht gern von der "etwas anderen Schule", weil nach der achten Klasse im Einklang mit Eltern, Trainern, Lehrern und Schülern eine Zäsur stattfindet. Aus den bisherigen vier Sportklassen wird danach eine so genannte Eliteklasse mit der Perspektive auf höhere Weihen gebildet. Daneben gibt es eine Klasse für normale Leistungssportler, eine mit beruflichen Sportzielen (Trainer, Funktionäre, Management, Schiedsrichter und Kampfrichter) sowie eine ohne sportlichen Leistungsdruck, wohin sich unter anderem die nicht mehr im Spitzensport tätigen Schüler orientieren können, um nicht die Schule verlassen zu müssen. Nicht wenige haben sich im Lauf der vierjährigen Testphase aus der Masse hervorgetan. Beispielsweise Kevin Boateng, Askan Dejagah, Sead Salinovic und Pascal Bieler, die jetzt Jung-Profis bei Hertha BSC sind. Das Image und Renommee muss sich herumgesprochen haben, denn sonst hätten nicht in jüngster Zeit Vereine im Eishockey und Tennis darum gebeten, ihre Spieler in den neuen siebenten Klassen aufzunehmen. Hans Ulrich


Direktor Rüdiger Barney

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