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Während die Politiker in Sachen Länderfusion
nur schleppend vorankommen, läuft im Sport in Berlin und Brandenburg schon
vieles synchron. Die Präsidenten des jeweiligen Landessportbundes (LSB) betonen
die vielen Gemeinsamkeiten. Im Gespräch mit dem Tagesspiegel zogen Peter
Hanisch (Berlin) und Edwin Zimmermann (Brandenburg) jetzt die Bilanz einer Annäherung.
Fünfzehn Sportverbände führten inzwischen beide Länder in ihrem Namen. Noch
mehr tragen sogar gemeinsame berlin-brandenburgische Meisterschaften aus, etwa
die Schützen, die Tennisspieler oder die Handballer. "Und zwar, ohne dass
wir direkt Einfluss genommen habe", hieß es unisono. Dahinter stecke der
Wunsch nach "Hilfe, Austausch oder einfach Synergieeffekten bis hin zu der
Tatsache, dass ein Verband mehr Gewicht und Kraft hat". Hanisch steht als
Präsident 540 000 Sportlern vor, Zimmermann 277 000.
"Berlin hat mit Brandenburg so viele geografische und historische
Gemeinsamkeiten - da war es selbstverständlich, dass wir gleich nach dem
Mauerfall geholfen haben", sagt der Berliner Hanisch. Und er meint
"beim Aufbau neuer Strukturen, mit Knowhow und auch finanziell oder
materiell". Dass der zurückliegende politische Anlauf der Fusion
gescheitert sei, habe die Kontakte auf dem Felde des Sports überhaupt nicht
tangiert. "Wir haben im Moment ein fantastisches Verhältnis", bestätigt
der Brandenburger Zimmermann. Das Allgemeine wurde 1997 durch einen
Kooperationsvertrag geregelt.
Für beide Länder stehen in nächster Zeit einige Großveranstaltungen an, bei
der Kooperation gefragt ist. So 2002 die Schwimm-Europameisterschaften und die
Volleyballmeisterschaften der Frauen, 2003 die Volleyball-EM der Männer, 2005
das Deutsche Turnfest und 2006 die Fußball-WM. Da werden die Ressourcen der
Region bei der Organisation gebraucht. Hanisch nennt ein Beispiel: "Das
Turnfest ist mit 120 000 bis 140 000 Teilnehmern das größte Breitensportfest
der Welt. Da benötigen wir mindestens 2000 freiwillige Helfer, und natürlich
spielt dabei der Märkische Turnerbund eine Hauptrolle." Das Turnfest werde
auch im Hinblick auf die Fußball-WM (Zimmermann: "Natürlich hätten wir
gern auch in |
Cottbus ein Spiel gehabt, aber da das nicht geht, kommen die
Brandenburger ins Olympiastadion") Anlass sein, "die Region als
gastfreundlich, friedlich und besuchenswert zu präsentieren".
Doch vor allem die Leistungssportler aus Berlin und Brandenburg überzeugen. In
Sydney hatten sie den größten Medaillenanteil an der Ausbeute der Deutschen.
Und diesen Status möchten sie, mit Hilfe der Olympiastützpunkte
Frankfurt/Potsdam, Cottbus und Berlin, die bei den bundesweiten Finanzkürzungen
glimpflich davongekommen sind, behaupten. Hanisch verweist auf den erfolgreichen
Kampf trotz aller Haushaltsgefechte im Senat um 60 bestätigte
Landestrainerstellen. In Brandenburg wurde sogar ein Kanutrainer ("Unsere
Erfolge in Sydney lagen auf dem Wasser") zusätzlich angestellt.
Wichtig sei in diesem Zusammenhang der Ausbau der Sportgymnasien. Während die
vierte Brandenburger Schule dieser Art in Ludwigsfelde "sofort überbucht"
war, nimmt die Poelchau-Oberschule, im Westteil Berlins die erste sportbetonte
Schule und in Berlin insgesamt die vierte, erstmals zwei Klassen für künftige
Spitzensportler auf. Die Internatskosten in Berlin betragen allerdings rund 900
Mark, in Brandenburg ist dies mit 300 DM eher von Eltern zu verkraften.
Dieses Gefälle korrespondiert ein wenig mit der unterschiedlichen finanziellen
Ausstattung der beiden LSB. Berlin verfügt dank eines gesetzlich festgelegten
Anteils durch Lottogelder - ein Viertel der Überschüsse fließen in den Sport
- über einen Jahresetat von rund 50 Millionen Mark, Brandenburg bleibt mit 32
Millionen bescheidener. Die Abhängigkeiten von den jeweiligen Länder-Haushalten
sowie die unterschiedlichen Strukturen (hier Großstadt - da Flächenland)
bringen es mit sich, dass trotz aller Sympathien und Gemeinsamkeiten die Sportbünde
keinen Alleingang bei der Fusion Berlin-Brandenburg wagen können. "Das
steht derzeit nicht auf der Tagesordnung" sagt Edwin Zimmermann. "Aber
vielleicht 2006 oder 2009 - wenn die Politik das schafft".
Ernst Podeswa |