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»Viele unserer damaligen Freunde
sind mit Drogen und Alkohol in
Kontakt gekommen«, sagt Ben-Hatira (18), Sohn tunesischer Eltern.
»Ich kann Lieder darüber singen, wie
sich Jugendliche geschlagen haben, sich mit Messern attackiert und
zerfetzt haben.«
Yelen (türkische Eltern), die
Halbbrüder Boateng (Vater aus
Ghana, deutsche Mütter), Ben-Hatira und Dejagah - dieser Multi-Kulti
steht für die neueBundesliga-Generation.
»Wir sind stolz darauf, halb-halb zu sein«,sagt Jerome Boateng.
Kevin ergänzt: »Durch die vielen verschiedenen Kulturen kann ich ein
bisschen Arabisch, Türkisch, Französisch. Wir sind nach den Regeln der Straße aufgewachsen.« Heißt: Die
fünf sind nur als Gruppe aufgetreten.
»Alleine wirst du sofort abgezogen«,
sagt Kevin (20).Abgezogen bedeutet:
verprügelt, ausgeraubt.
Auf der Straße siegt eben derStärkere.
Und das ist derjenige, der nicht
wegrennt. Diese Mentalität zahlt sich jetzt auf dem Fußballplatz aus.
»Wir haben schnell den Siegeswillen
gelernt«, sagt Zafer Yelen (20).
»Durch unsere Vergangenheit
haben wir eine stärkere Motivation
als andere. Wir haben so großen
Stolz, dass verlieren gar nicht geht«,
sagt Ben-Hatira.
Im Alter von zehn Jahren spielten
Kevin, Ashkan und Änis bei den
Reinickendorfer Füchsen, sie
besuchten später mit Zafer und
Jerome (18) die Poelchau-Sportschule. Der Tagesablauf dort:
zwei Stunden Unterricht, zwei
Stunden Sport, zwei Stunden
Unterricht.
2003
gewannen Jerome, Kevin
und Änis das Bundesfinale »Jugend
trainiert für Olympia« mit Jerome
im Tor! Heute ist er Verteidiger.
Schulleiter Rüdiger Barney (58)
erinnert sich: »Die Jungs hatten nur
Fußball im Kopf. Ihre schulischen Leistungen waren begrenzt. Kevin
Boateng ist intelligent, hatte aber Flausen
im Kopf.«
Immerhin: Fußball hielt die Riesen-Talente von Alkohol
und Drogen fern. Das ist
nicht selbstverständlich in
diesem Umfeld.
»Mein Vater hatte einen
Dönerladen, meine Mutter hat geputzt. Wenn meinPapa mal beim Fußball zugeschaut
hat, war das wie ein Geburtstag für mich. Sie hatten kaum Zeit«, sagt
Ben-Hatira.
Zum Sport wurde keiner der jungen
Männer gefahren. Als Kinder stiegen
sie alleine in die U- und S-Bahnen
zum Training.
Die Eltern hatten anderes zu tun:
die Großfamilie zu ernähren. So sind Jerome und Kevin Halbbrüder, Kevin
hat noch einen Bruder und drei Halbschwestern, Jerome zwei
Halbbrüder und eine Schwester. Zafer
hat sogar sechs Geschwister. Änis vier. Einzig Ashkan Dejagah hat
nur einen Bruder.
»Unsere Eltern konnten kaum
Deutsch. Wie sollten sie uns
helfen?«, sagt Dejagah, »Wir als
Freunde haben uns geholfen« Bis
heute halten sie fest zusammen.
Alle fünf verdienen im Jahr sechsstellige Summen.
Geld, das in Kleidung oder Autos investiert wird.
»Ich habe einen Traum: Ich
will
meinen Eltern ein Haus kaufen. Sie sollen nie wieder arbeiten« sagt
Ben-Hatira. Mit 16 Jahren ist der Junioren-Nationalspieler (U 19) aus
dem Hertha-Internat über den Umweg TeBe zum HSV gekommen.
Auch Dejagah verlässt
Berlin - er
geht zum VfL Wolfsburg.
Trotzdem: »Wir werden uns gegenseitig nie vergessen, Wir machen bei uns keine Unterschiede
zu
unseren leiblichen Geschwistern« sagt Kevin Boateng.
Um das zu verdeutlichen, erzählt Ben-Hatira Folgendes: Er war Tunesien, als Kumpel Ashkan erstmals für Hertha BSC im Olympiastadion einlief.
»Als ich das sah, habe ich vor Freude fast geheult«
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