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Von André Görke
„Und?",
fragt Niko die Dame mit der Stoppuhr. „Wie war ich?" 400 Meter
hat der Zwölfjährige gerade zurückgelegt, 16 Bahnen ä 25 Meter.
"Gut gemacht", sagt sie und lächelt. Niko strahlt. Renate
Stamm weiß, wovon sie spricht. Sie ist die Trainerin von Katrin Meißner,
die sich immerhin für Olympia in Sydney qualifiziert hatte. Die
43‑Jährige ist auch Cheftrainerin der Bundesligaschwimmer der
Wasserfreunde Spandau 04. Und sie ist die Frau von Hagen Stamm, dem wohl
besten Wasserball-Center der
Achtzigerjahre. Familie Stamm lebt am Wasser. Rund um die Uhr. Hier am
Beckenrand des Forumbades am Olympiastadion geht es nicht um
Schwimmathleten. Hier stehen Niko und die anderen 30 Kinder in ihren
Badehosen und Badeanzügen und hoffen, Renate Stamm und ihre Kollegen im
Sichtungstraining der sportbetonten Poelchau-Oberschule zu überzeugen.
Gelingt dies und stimmen die schulischen Leistungen, könnten im
kommenden Schuljahr in ihren Stundenplänen Fächer wie Schwimmen oder
Wasserball auftauchen. Für Niko sieht es eher nach Mathe oder Chemie
aus. „Als 88er Jahrgang muss er zwei Minuten schneller
schwimmen", sagt Renate Stamm. Fünf Minuten seien für die
400-Meter-Strecke realistisch, Niko braucht knapp sieben. Als nach zehn
Minuten einige immer noch im Becken planschen, schaltet Renate Stamm die
Stoppuhr aus. „Aus einem Dackel kann man kein Rennpferd machen."
Renate Stamm meint das nicht abfällig, sondern einfach nur realistisch.
„Es gibt eben Kinder, die können nicht gut schwimmen." Das sei
an sich kein Problem, schließlich biete die Schule unter anderem noch
Modernen Fünfkampf an. „Und da braucht man zum Beispiel gute
Reiter."
Manche wollen aber lieber Wasserball spielen. Dann
kümmert sich Dirk Hohenstein, Trainer des Olympia-stützpunkts, um die
Kinder. |

SCHWIMMEN SCHLAUCHT, aber Leistung macht
auch Spaß
Schüler beim Lehrgang der Poelchau-Oberschule
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Ein
halbes Dutzend schickt er noch einmal ins Wasser. Für Schwimmen hat es
bei den meisten nicht gereicht. „Zwölf Meter sollten sie schon werfen
können", sagt Hohenstein. Das sei die Vorgabe. Martin schnappt
sich den Ball und wirft. „Das waren sechs Meter", murmelt
Hohenstein und sagt: „Gut, Martin!" Talent hat man oder nicht.
„Ich brauchen keine Röntgenaufnahme der Handwurzelknochen, um seine
spätere Körperstatur auszurechnen."
Das Problem liege oft bei den Eltern, die ihre Kinder zu so einem
Sichtungstraining schicken. „Viele wissen nicht, was sie erwartet. Wüssten
sie es, wären viele nicht hier", sagt Dirk Hohenstein. Acht bis
zehn Mal die Woche steht ein hartes Training auf dem Programm. Dazu
kommt die Doppelbelastung: Vereinssport braucht viel Zeit, und die
schulischen Leistungen müssen auch stimmen. „Wir haben auch eine
Verantwortung. Mit Schwimmen verdient man kein Geld", sagt
Schwimmlehrer Robby Straßenberger, der so grimmig guckt, als bilde er
hier die US‑Marines aus. Renate Stamm steht neben ihm. Das mit der
Schule ist nicht ihr Ding, sie übernimmt den sportlichen Part, macht
sich zu jedem einzelnen Schüler Notizen. Zehn werden es am Ende
vermutlich packen. Renate Stamm erzählt noch von ihren Kindern Melanie
und Marco, die bei ihrem Kollegen Volker Frischke trainieren. In der
Halle ist es heiß. Es muffelt nach Chlor.
Ralph
ist schon auf der Poelchau-Schule und spielt schon Wasserball in einer
Jugendmannschaft von Spandau 04. Er ist froh, wenn er nach dem Training
unter die Dusche kommt. Zehn Einheiten Woche für Woche. „Manchmal
kotzt dich das nur an", sagt der 15-Jährige. „Aber es macht Spaß."
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