Wasserball auf dem Stundenplan ...  


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vom 5. Februar 2001

Wasserball auf dem Stundenplan

Poelchau-Schule und Wasserfreunde Spandau bitten zur Sichtung Schwimmen

                Von André Görke
„Und?", fragt Niko die Dame mit der Stoppuhr. „Wie war ich?" 400 Meter hat der Zwölfjährige gerade zurückgelegt, 16 Bahnen ä 25 Meter. "Gut gemacht", sagt sie und lächelt. Niko strahlt. Renate Stamm weiß, wovon sie spricht. Sie ist die Trainerin von Katrin Meißner, die sich immerhin für Olympia in Sydney qualifiziert hatte. Die 43‑Jährige ist auch Cheftrainerin der Bundesligaschwimmer der Wasserfreunde Spandau 04. Und sie ist die Frau von Hagen Stamm, dem wohl besten Wasserball-Center der Achtzigerjahre. Familie Stamm lebt am Wasser. Rund um die Uhr. Hier am Beckenrand des Forumbades am Olympiastadion geht es nicht um Schwimmathleten. Hier stehen Niko und die anderen 30 Kinder in ihren Badehosen und Badeanzügen und hoffen, Renate Stamm und ihre Kollegen im Sichtungstraining der sportbetonten Poelchau-Oberschule zu überzeugen. Gelingt dies und stimmen die schulischen Leistungen, könnten im kommenden Schuljahr in ihren Stundenplänen Fächer wie Schwimmen oder Wasserball auftauchen. Für Niko sieht es eher nach Mathe oder Chemie aus. „Als 88er Jahrgang muss er zwei Minuten schneller schwimmen", sagt Renate Stamm. Fünf Minuten seien für die 400-Meter-Strecke realistisch, Niko braucht knapp sieben. Als nach zehn Minuten einige immer noch im Becken planschen, schaltet Renate Stamm die Stoppuhr aus. „Aus einem Dackel kann man kein Rennpferd machen." Renate Stamm meint das nicht abfällig, sondern einfach nur realistisch. „Es gibt eben Kinder, die können nicht gut schwimmen." Das sei an sich kein Problem, schließlich biete die Schule unter anderem noch Modernen Fünfkampf an. „Und da braucht man zum Beispiel gute Reiter." 
Manche wollen aber lieber Wasserball spielen.
Dann kümmert sich Dirk Hohenstein, Trainer des Olympia-stützpunkts, um die Kinder. 


SCHWIMMEN SCHLAUCHT, aber Leistung macht auch Spaß
Schüler beim Lehrgang der Poelchau-Oberschule

Ein halbes Dutzend schickt er noch einmal ins Wasser. Für Schwimmen hat es bei den meisten nicht gereicht. „Zwölf Meter sollten sie schon werfen können", sagt Hohenstein. Das sei die Vorgabe. Martin schnappt sich den Ball und wirft. „Das waren sechs Meter", murmelt Hohenstein und sagt: „Gut, Martin!" Talent hat man oder nicht. „Ich brauchen keine Röntgenaufnahme der Handwurzelknochen, um seine spätere Körperstatur auszurechnen." 
Das Problem liege oft bei den Eltern, die ihre Kinder zu so einem Sichtungstraining schicken. „Viele wissen nicht, was sie erwartet. Wüssten sie es, wären viele nicht hier", sagt Dirk Hohenstein. Acht bis zehn Mal die Woche steht ein hartes Training auf dem Programm. Dazu kommt die Doppelbelastung: Vereinssport braucht viel Zeit, und die schulischen Leistungen müssen auch stimmen. „Wir haben auch eine Verantwortung. Mit Schwimmen verdient man kein Geld", sagt Schwimmlehrer Robby Straßenberger, der so grimmig guckt, als bilde er hier die US‑Marines aus. Renate Stamm steht neben ihm. Das mit der Schule ist nicht ihr Ding, sie übernimmt den sportlichen Part, macht sich zu jedem einzelnen Schüler Notizen. Zehn werden es am Ende vermutlich packen. Renate Stamm erzählt noch von ihren Kindern Melanie und Marco, die bei ihrem Kollegen Volker Frischke trainieren. In der Halle ist es heiß. Es muffelt nach Chlor. 

Ralph ist schon auf der Poelchau-Schule und spielt schon Wasserball in einer Jugendmannschaft von Spandau 04. Er ist froh, wenn er nach dem Training unter die Dusche kommt. Zehn Einheiten Woche für Woche. „Manchmal kotzt dich das nur an", sagt der 15-Jährige. „Aber es macht Spaß."

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