Schule erste Pflicht ...


v.  10. Oktober  2004


Hertha-Internat: 
Schulbesuch ist die erste Pflicht

Die Ausbildung der Talente hat ihren Preis. Zirka vier Millionen Euro pro Saison läßt sich Fußball-Bundesligist Hertha BSC die Amateur- und Nachwuchsabteilung kosten. Insgesamt werden zurzeit 77 Jugendspieler (48 von Hertha, 29 von anderen Vereinen) in der Akademie des Hauptstadt-Klubs ausgebildet. Im Internat (Jahresetat 100 000 Euro) wohnen 17 Talente, die vom Ehepaar Harri und Regina Ramin betreut werden. Der letzte freie Platz ist für einen Chinesen reserviert, der im Rahmen von Herthas Sichtungsprojekt im Reich der Mitte nach Berlin kommen soll.

Die Unterbringung im Internat ist im Gegensatz zu der bei anderen Bundesligisten kostenfrei, zudem bekommt jeder Spieler ein Taschengeld von 100 Euro im Monat. Für die Aufnahme auswärtiger Talente gelten strenge Maßstäbe. "Leistungsmäßig muß ein Kandidat in seiner Altersgruppe bei uns zum oberen Drittel gehören", sagt Amateur- und Nachwuchskoordinator Frank Vogel. Besonderen Wert legt Hertha auf charakterliche Stärke und psychische Stabilität. Vogel: "Nur so können die Jungen den intensiven Alltag aushalten. Deshalb holen wir uns vorher Rahmeninformationen ein."

Was nicht vor Fehlgriffen schützt. Wer keinen Bock auf den Besuch der sportbetonten Poelchau-Oberschule hat, mit der Hertha kooperiert, muß sein Zimmer räumen. Zuletzt war dies bei Burak Karan der Fall, der danach beim Hamburger SV unterkam. "Er hatte dort einen Kreuzbandriß, was die Wichtigkeit der schulischen Ausbildung unterstreicht", sagt Vogel. "Es gibt keine Garantie auf eine Profi-Karriere." Aber eine gründliche Ausbildung in der Akademie. Dazu gehören Übungseinheiten in den Sport-Doppelstunden am Vormittag, für die ein Fahrdienst zwischen der Poelchau-Schule und dem Trainingsgelände besteht. 
hob

Presseschau