Unsere Ehemaliger bei den "Königlichen" ...


  vom 9./10. April 2009

"Ich wusste gar nicht, was ich sagen soll"

Christopher Schorch über Real und seine Freizeit mit Guti



Herr Schorch, Sie sind schwer ans Telefon zu bekommen
in Madrid. Gibt es soviel zu tun?

Ich bin endlich wieder im Training, ich war ja lange Zeit verletzt und hatte gleich zwei Muskelfaserrisse hintereinander. Beide Male im Unterschenkel.

Wie läuft ein Tag bei Real ab?
Wir trainieren jeden Tag meist morgens, außer am Mittwoch. Da gibt es zweimal Training. Ich habe Nachholbedarf und deshalb in den letzten Wochen immer früh und noch mal am Nachmittag trainiert. Eine Einheit geht aber schon mal über zwei Stunden und länger.

Das klingt sehr intensiv. Intensiver als in Deutschland.
Ja, das stimmt.

Wie trainieren Sie - mit den Stars von Real oder mit Real Castilla, der zweiten Mannschaft, in der Sie bislang zum Einsatz gekommen sind?
Als ich fit war, also vor meiner Verletzung, habe ich öfters mit der ersten Mannschaft geübt, später auch bei Castilla. Jetzt bin ich wieder meist bei der ersten Garnitur dabei.

Es heißt, im Training wird bei Real sehr viel mit Videoanalyse gearbeitet.
Jedes Training, auch bei Castilla, wird auf Video aufgezeichnet. Wenn dann ein Riesenfehler sichtbar wird, bekommt man gleich anschließend ein paar hinter die Ohren.

Wie geht es in den Übungsstunden mit den Weltstars zu?
Die hauen sich
alle voll rein, die beißen, die geben alles. Und das Tempo ist unheimlich hoch. Aber das härteste Training ist bei Castilla. Da will sich jeder beweisen und für oben anbieten.

Sie haben mit Bernd Schuster und Juande Ramos zwei Trainer bei Real erlebt. Wo liegen die Unterschiede?
Ich würde sagen, Ramos baut schon auf die Jugend. Der schaut sich das Training und Spiele von Real Castilla an und auch Spiele der Jugendmannschaften.

Baut der Cheftrainer auch auf Sie? 
Es war halt ärger lich für mich, dass, ich mich gerade verletzt habe, als Ramos kam. 
Er hat aber zu mir ge sagt: Junge, werde schnell wieder gesund! Er redet oft so nebenbei auf dem Trainingsplatz mit mir und erkundigt sich nach meinem Zustand. Ramos ach tet auf alles und küm mert sich um jeden Spieler. Das ist schon beeindruckend.

Er steht nach dem Aus in der Champions-League in der Kritik.
Ja. Man weiß bei Real nie, was passiert. Hier ist man nie sicher. Es wird ja in Madrid unglaublich viel geschrieben in den Zeitungen.

Hatte sich Bernd Schuster weniger um die jungen Leute gekümmert?
Nein, er hat auch viel mit uns oder auch mit mir geredet. Ich war sehr nahe dran an der ersten Mannschaft. Wenn sie Schuster nicht entlassen hätten, wäre ich bestimmt schon in der Primera Division zum Einsatz gekommen. Da bin ich mir eigentlich sicher. Schuster hatte es mir eine Woche vor seinem Rausschmiss gesagt und angekündigt. Aber was soll's, weiter geht es.


Wie war das, als Schuster entlassen wurde?
Der war eine Legende, ein Riese. Es waren alle sehr mitgenommen, als er gehen musste.

Es heißt, Sie unternehmen viel mit Spaniens Nationalspieler Guti?
Ja, das stimmt. Aber ich bin auch viel mit Metze zusammen, also mit Christoph Metzelder und natürlich mit Guti. Der kam einst auch von Castilla in die erste Mannschaft von Real und ist ein Riesentyp.

Haben Sie bei Real Sprachunterricht bekommen?
Ich hatte jeden Tag nach dem Training zwei Stunden Nachhilfeunterricht, allein - bei einem alten, strengen Mann.

Sind Sie mit Guti befreundet?
Wir machen viel in der Freizeit miteinander. Da kann man natürlich sagen, dass wir befreundet sind. Es ist aber auch schon viel Mist über uns geschrieben worden.

Wieso?
Na, der Guti ist ein Weltstar, den
jeder kennt. Der verleitet ja nicht junge Spieler wie mich zu irgendwelchem Un sinn oder zu nächtlichen Ausflügen in Restaurants, wie zu lesen war. Guti wohnt ziemlich nahe bei mir, das passt. Wir unternehmen auch mal am Tag et was zusammen. Metzelder wohnt mehr in der Innenstadt.

Sie wohnen am Trainingsgelände?
Ja, eine Penthouse-Wohnung mit 120 Quadratmetern
im 12. Stock, fünf Minuten vom Trainingsgelände weg.

Mit großer Terrasse?
Ja, ich blicke jeden Tag auf die Trainingsplätze.

Was macht man ein junger Mann in Madrid, wenn kein Trai ning und keine Spiele anstehen ?
Ach, ich habe viel Besuch aus Deutschland hier, aus Berlin und Halle. Eigentlich habe ich immer je manden im Haus. Wir haben hier schö ne große Parkanlagen und kleine, nette Restaurants.

Kommt Ihr Vater, der Sie ja immer betreut und gefördert hat, auch oft von Halle nach Madrid?
Ja. Der hat allerdings Flugangst und in ärgert sich, weil ich  so weit weg bin und er mich nicht mi dem Auto erreichen kann. Er ist immer für mich da und kommt trotz seiner Flugangst regelmä ßig nach Spanien.

Sie haben einen Vertrag bis 2012. Ihre Ablöse liegt bei 20 Millionen Euro. Belastet Sie diese Summe?
An so etwas denke ich nicht. Ich muss sehen, was hier im Sommer passiert.

Könnten Sie sich vorstellen, den Verein zu wechseln? 
Mal schauen, die Bundesliga ist ja auch interessant. Aber wenn ich in Spanien spiele, dann nur für Real.

Als Sie neu bei Real waren, hat Sie ein Profi besonders beeindruckt?
Das war Raúl. Früher habe ich im Sportinternat über den einer Schulvortrag gemacht und dann hat der mir die Hand geschüttelt. Ich wusste gar nicht, was ich sagen sollte. Jetzt stehe ich mit dem zusammen auf dem Platz. Das ist super.

Das Gespräch führte Michael Jahn.

(Anm. Christopher besuchte bis 2007 unsere Schule)

Abwehrspieler Christopher Schorch, 20, stammt aus Halle/Saale und begann seine Karriere beim Halleschen FC. 2004 wechselte er zu Hertha BSC, wo er in der klubeigenen Jugend-Akademie lebte. In der Saison 2006/07 kam er zu zwei Einsätzen in der Fußball-Bundesliga. Im Juli 2007 wechselte er überraschend zu Real Madrid. Die Spanier bezahlten eine Million Euro Ablöse. Schorch besitzt einen Profivertrag bis zum Sommer 2012. Der Verteidiger gehört zudem der deutschen U20-Auswahl an.

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