TeBe-Frauen in der Provinz ...


vom 11. September 2004

Frauen aus dem Nobelviertel in der Provinz

Von Georg Lilienthal


2. Bundesliga Tennis Borussia spielt in Timmel / 
Berliner Talente reifen im Internatssystem heran

Der Hauptstadt-Klub kooperiert mit einer Schule. Dort steht dreimal Fußball auf dem Stundenplan. Diese Klassen machen wegen des großen Sportprogramms erst nach 14 Jahren Abitur.

Timmel/Berlin - Auf dem kleinen Sportplatz in Timmel treffen morgen zwei Fußballwelten aufeinander. Großstadt gegen Provinz lautet das Duell oder auch Fußballerinnen vom Dorf gegen Sportlerinnen aus dem noblen Berliner Grunewaldviertel. Die Frauen des Traditionsklubs Tennis Borussia Berlin treten im Zweitligaspiel bei SuS Timmel an.

Der ehemalige Erstligist gibt sich vor dem Ausflug aufs Land bescheiden. „Das wird für uns keine Spazierfahrt, sondern harte Arbeit“, zeigt Abteilungsleiterin Gabriele Wahnschaffe Respekt vor ostfriesischer Fußballkunst.

Dabei herrschen bei TeBe aus Timmeler Sicht paradiesische Rahmenbedingungen. Denn der Nachwuchs der Berlinerinnen geht aus einer Art Sportinternat hervor. „Auf der Straße gibt es im Grunewald nicht viele Fußballerinnen“, erklärt Gabriele Wahnschaffe die Notwendigkeit gezielter Förderung. „Dort spielen die Mädchen Tennis und Hockey oder sie gehen Reiten.“

So reifen viele Jugendspielerinnen der Tennis-Borussen in den beiden Sportklassen der Harald-Poelchau-Schule heran. Dort steht dreimal in der Woche ein zweistündiges Sportprogramm auf dem Plan. „Da betreiben alle ihre spezielle Sportart. Unsere Mädchen gehen auf den Fußballplatz, andere machen Handball- oder Kanutraining“, schildert Gabriele Wahnschaffe das System. Insgesamt 22 TeBe-Mädchen gehen dort zur Schule. 

Aufgrund des Trainingspensums absolviert der Sportzweig das Abitur erst nach 14 Jahren. Und bei Reisen mit dem Nationalteam erhalten die Mädchen einen Laptop, um aus der Ferne den Schulstoff aufarbeiten zu können.

Neben Fußball nach Stundenplan gibt es noch drei Einheiten pro Woche im Verein. Und einmal wöchentlich bittet TeBe zum Wellnessprogramm mit Sauna und Massage.
Bei solch professionellen Bedingungen mangelt es trotz fehlender Straßenkicker im Grunewald nie an Fußball-Talenten. Zumal von der Kooperation mit der Poelchau-Schule im Berliner Damenfußball fast nur Tennis Borussia profitiert. „Wir sind die Nummer eins der Stadt“, sagt die Abteilungsleiterin. Und nur selten verliert der Klub Leistungsträger an den Renommierklub in der Nachbarstadt. „In diesem Jahr haben wir eine Spielerin an Turbine Potsdam abgegeben. Aber solche Wechsel sind eher die Ausnahme.“
Dabei wächst bei TeBe so manche Nationalspielerin heran. Zwei Mädchen der U-15-Auswahl spielen noch in Jugendteams. Die Zwillinge Silvie und Nicole Banecki aus der U-17-Auswahl und U-21-Nationalspielerin Christine Schoknecht gehören aber morgen in Timmel zum Kader.

Trotz aller Professionalität gibt es beim Ex-Erstligisten kein Geld zu verdienen. „In der Bundesliga hatten sich die Mädchen eine Aufwandsentschädigung verdient“, sagt Gabriele Wahnschaffe, die bis vor einem Jahr noch selber als Trainerin im Amt war. „Aber nun sind wir ja zweitklassig.“

Erstklassig soll aber die Vorbereitung auf die Timmel-Partie verlaufen. So reisen die jungen Frauen aus dem Berliner Nobelviertel schon heute nach Ostfriesland und übernachten im Waldkur-Hotel in Logabirum. Spätestens um 23 Uhr ist Bettruhe angesagt, wie Gabriele Wahnschaffe betont. „An der Bar sitzt dann nur noch, wer schon graue Haare hat.“

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