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Timmel/Berlin - Auf dem kleinen Sportplatz
in Timmel treffen morgen zwei Fußballwelten aufeinander. Großstadt gegen
Provinz lautet das Duell oder auch Fußballerinnen vom Dorf gegen
Sportlerinnen aus dem noblen Berliner Grunewaldviertel. Die Frauen des
Traditionsklubs Tennis Borussia Berlin treten im Zweitligaspiel bei SuS
Timmel an.
Der ehemalige Erstligist gibt sich vor dem Ausflug
aufs Land bescheiden. „Das wird für uns keine Spazierfahrt, sondern harte
Arbeit“, zeigt Abteilungsleiterin Gabriele Wahnschaffe Respekt vor
ostfriesischer Fußballkunst.
Dabei herrschen bei TeBe aus
Timmeler Sicht paradiesische Rahmenbedingungen. Denn der Nachwuchs der
Berlinerinnen geht aus einer Art Sportinternat hervor. „Auf der Straße
gibt es im Grunewald nicht viele Fußballerinnen“, erklärt Gabriele
Wahnschaffe die Notwendigkeit gezielter Förderung. „Dort spielen die
Mädchen Tennis und Hockey oder sie gehen Reiten.“
So reifen
viele Jugendspielerinnen der Tennis-Borussen in den beiden Sportklassen
der Harald-Poelchau-Schule heran. Dort steht dreimal in der Woche ein
zweistündiges Sportprogramm auf dem Plan. „Da betreiben alle ihre
spezielle Sportart. Unsere Mädchen gehen auf den Fußballplatz, andere
machen Handball- oder Kanutraining“, schildert Gabriele Wahnschaffe das
System. Insgesamt 22 TeBe-Mädchen gehen dort zur Schule.
Aufgrund des
Trainingspensums absolviert der Sportzweig das Abitur erst nach 14 Jahren.
Und bei Reisen mit dem Nationalteam erhalten die Mädchen einen Laptop, um
aus der Ferne den Schulstoff aufarbeiten zu können. |
Neben Fußball nach
Stundenplan gibt es noch drei Einheiten pro Woche im Verein. Und einmal
wöchentlich bittet TeBe zum Wellnessprogramm mit Sauna und Massage.
Bei solch professionellen Bedingungen mangelt es trotz
fehlender Straßenkicker im Grunewald nie an Fußball-Talenten. Zumal von
der Kooperation mit der Poelchau-Schule im Berliner Damenfußball fast nur
Tennis Borussia profitiert. „Wir sind die Nummer eins der Stadt“, sagt die
Abteilungsleiterin. Und nur selten verliert der Klub Leistungsträger an
den Renommierklub in der Nachbarstadt. „In diesem Jahr haben wir eine
Spielerin an Turbine Potsdam abgegeben. Aber solche Wechsel sind eher die
Ausnahme.“ Dabei wächst bei TeBe so manche Nationalspielerin
heran. Zwei Mädchen der U-15-Auswahl spielen noch in Jugendteams. Die
Zwillinge Silvie und Nicole Banecki aus der U-17-Auswahl und
U-21-Nationalspielerin Christine Schoknecht gehören aber morgen in Timmel
zum Kader.
Trotz aller Professionalität gibt es beim
Ex-Erstligisten kein Geld zu verdienen. „In der Bundesliga hatten sich die
Mädchen eine Aufwandsentschädigung verdient“, sagt Gabriele Wahnschaffe,
die bis vor einem Jahr noch selber als Trainerin im Amt war. „Aber nun
sind wir ja zweitklassig.“
Erstklassig soll aber die
Vorbereitung auf die Timmel-Partie verlaufen. So reisen die jungen Frauen
aus dem Berliner Nobelviertel schon heute nach Ostfriesland und
übernachten im Waldkur-Hotel in Logabirum. Spätestens um 23 Uhr ist
Bettruhe angesagt, wie Gabriele Wahnschaffe betont. „An der Bar sitzt dann
nur noch, wer schon graue Haare hat.“ |