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Als
"Medaillenschmieden" wurden sie bekannt, die Schulen für die
Sportelite der DDR. Zugleich erlangten sie traurige Berühmtheit als
Horte von Drill und Doping. Noch heute gibt es 33 dieser Schulen in
Ostdeutschland, die sich - inzwischen mit anderen Mitteln - der Förderung
des Spitzensports verschrieben haben. Mehr als zehn Jahre nach der
deutschen Vereinigung ist das Konzept auch im Westen angekommen.
Erstmals gibt es eine "Sporteliteschule" im Westen Berlins:
die Poelchau-Oberschule in Charlottenburg. Das wurde am Mittwoch in
Berlin bekannt gegeben.
Schulsenator Klaus Böger (SPD) ist sich des zwiespältigen Erbes
bewusst. "Riesenerfolge, aber auch Riesenverbrechen" seien mit
den Sport-Internaten der DDR verknüpft. Eliteförderung an der Schule
sei gleichwohl richtig, betont Böger - wenn auch mit anderen Methoden
als früher. In den östlichen Stadtteilen Hohenschönhausen und Köpenick
haben sich drei sportbetonte Schulen, die schon zu DDR-Zeiten
Leistungszentren waren, entsprechend gewandelt. Vom nächsten Schuljahr
an kommt die Poelchau-Oberschule hinzu, freilich ohne ein Internat.
Die Sportfunktionäre der Hauptstadt begrüßten diese Nachricht überschwänglich.
Allein 40 der 59 Berliner Olympiateilnehmer seien den Weg über
Eliteschulen gegangen, berichtete der Präsident des Landessportbundes,
Peter Hanisch. Stars wie Schwimmerin Franziska van Almsick und
Rad-Olympiasieger Robert Bartko sind darunter. Hanischs Vize Dietrich
Gerber sprach von einer "Sternstunde" der Sportpolitik. Die
spezialisierten Schulen seien zwar "kein Königsweg", aber
"einer der wesentlichen Wege, die junge Sportlerinnen und Sportler
gehen müssen, um eines Tages zu Königinnen und Königen des Sports zu
werden". Aus vielen Bundesländer blicke man mit Neid nach Berlin.
Anders als die Sportschulen im Ostteil der Stadt wird die
Charlottenburger Einrichtung auch Klassen ohne Sportförderung behalten.
Neben drei "normalen" siebten Klassen sollen drei Klassen aus
Schülern gebildet werden, die sich auf Leichtathletik oder Schwimmen,
Modernen Fünfkampf, Rudern oder Hockey spezialisieren. Sie werden zehn
Stunden Sport pro Woche haben - davon acht Stunden Training in der
Spezialdisziplin. Diese Schüler haben aber nur zwei Schulstunden mehr
auf ihrer Tafel als die anderen - die übrige Zeit wird beim
Wahlpflichtfach und Tutorenstunden abgeknapst.
"Die haben keine Englischstunde weniger, kein Deutsch weniger,
keine Biologie weniger", betonte Schulleiter Rüdiger Barney. Auch
Senator Böger sagte, die Ausbildung werde nicht zu kurz kommen. Die Förderung
von Leistungssportlern in jungen Jahren sehe er als "Vermittlung
von Ethik und Persönlichkeitsentwicklung" an. Es gehe nicht darum,
"Medaillengewinner zu züchten". Böger zufolge ist die
Finanzierung der hauptamtlichen Trainer für die nächsten Jahre
gesichert; sie koste das Land sechs Millionen Mark pro Jahr. Schon seit
einigen Jahren hat die Poelchau-Schule sportliche Schwerpunkte gesetzt -
so stellte der Fußballverein Tennis Borussia vier Trainer und
Kleinbusse für den Transport junger Kicker.
Ausgewählt werden die Leistungsschüler von den Verbänden und der
Schule. Der Bildungssenator hofft mit der neuen Einrichtung in
Charlottenburg, "Chancengleichheit" für die Jungen und Mädchen
in diesem Teil Berlins herzustellen. Zugleich sollen Jugendliche
nicht-deutscher Herkunft einbezogen werden |