Vom Osten lernen, heißt siegen lernen...    



vom 6. Dezember 2000
Aufschwung West

Vom Osten lernen, heißt siegen lernen: 
Neue Sportschule in Westberlin

Der Vorgang paßte zur nacholympischen Diskussion über Wohl und Wehe des deutschen Spitzensports. Ende November wurde in Berlin auf einer Pressekonferenz von Sport-, Schul- und Jugendsenator Klaus Böger, LSB-Präsident Peter Hanisch und dessen für Leistungssport zuständigen Vize Dr. Dietrich Gerber, dem Charlottenburger Sportstadtrat Andreas Statzkowski und Rüdiger Barney, Direktor der Poelchau- Oberschule, ein nunmehr von allen politischen und sportlichen Instanzen beschlossenes Projekt vorgestellt, das Gerber pathetisch als »Sternstunde des Berliner Leistungssports« bezeichnete.
Berlin wird mit dem Schuljahr 2001/2002 eine vierte sportbetonte Oberschule erhalten. Nach dreien im Ostteil der Stadt ist es die erste im Westen. Seit 1993 hatte sich das Bezirksamt Charlottenburg immer wieder um diesen Status für eine Einrichtung in ihrem Bereich bemüht. »Jetzt hat ihn sich die Poelchau-Oberschule verdient«, so Stadtrat Statzkowski, und er verwies darauf, daß bereits seit 1997 sportlich profilierte Klassen an der Schule existieren. Dort gibt es derzeit mit den Schwerpunktdisziplinen Basketball, Leichtathletik, Schwimmen, Wasserball, Rudern, Fußball, Hockey, Tischtennis, Volleyball und Radsport zehn Stunden Sportunterricht in der Woche, davon acht in der jeweiligen Spezialdisziplin. Eine Basis, die nun aus- und mit dem Status Sportschule aufgebaut werden soll. LSB-Präsident Peter Hanisch sieht die vierte Schule mit sportlicher Eliteförderung als »einen Beitrag, unseren Talente wirklich beste Konditionen einzuräumen«. Dazu gehöre, daß exzellente Trainingsmöglichkeiten vorhanden sind, »daß wir uns aber auch über das Sportliche hinaus kümmern«. Schulabschluß, Laufbahnberatung - Stichworte dafür, 

»daß ein junger Athlet neben Gold in seiner Disziplin auch soziale Sicherheit erreichen soll«. Berlin, so Hanisch, habe bereits ein vorbildliches Verbundssystem Leistungssport-Schule, auf das aus anderen Bundesländern durchaus mit Neid geschaut werde. »Dieser Neid dürfte sich jetzt noch etwas verstärken.«Zwar sieht der LSB-Präsident in den Sportschulen nicht den einzigen Weg zum Erfolg, »aber es dürfte inzwischen allen klar sein, daß er ein ganz wesentlicher ist«. Von den 59 Berliner Olympia-Startern in Sydney hätten allein 40 den Weg über diese Fördereinrichtungen genommen. Insgesamt besuchen 979 Schüler die drei Sportschulen im Osten der Metropole. Mit der Poelchau-Oberschule wird das Problem der mitunter mehr als zweistündigen Schulwege jetzt gelöst. »Wir tilgen einen weißen Fleck, was die Talentförderung angeht«, fügt Gerber hinzu und attestiert Senator Böger »eine sporthistorische Tat in Zeiten von Restriktionen, Kürzungen und Streichungen«.
Drei Sportler-Klassen wie bisher wird es an der Oberschule geben, zwei davon für Nachwuchs-Spitzenathleten, die von LSB und von den Verbänden ausgewählt und empfohlen werden. Mit der dritten werde man wie bisher verfahren, und nach eigenen Sichtungen einschulen. Zweimal pro Tag werde trainiert, erzählt Schulleiter Barney. Morgens ganz früh vor dem »normalen« Unterricht, nachmittags in den Leistungszentren oder den eigenen Vereinen. Senator Klaus Böger gibt sich als energischer Fürsprecher derartiger sportlicher Zukunftssicherung. »Ich kann Vorbehalte gegen Sportschulen, die man hie und da immer mal wieder hört, überhaupt nicht nachvollziehen."Vom Osten lernen, heißt eben siegen lernen."                                          Klaus Weise

 Presseschau

Pressekonferenz