Sportelite aufs Olympiagelände ...


vom 22. Januar 2009

Die Sportelite zieht aufs Olympiagelände

Poelchau-Schüler sollen an einem Ort lernen und trainieren

Birgitta Etzel

CHARLOTTENBURG. Berlins einzige Eliteschule des Sports und des Fußballs, die Poelchau-Oberschule am Halemweg, will auf das Olympiagelände ziehen. "Wir bemühen uns seit etwa einem Jahr intensiv darum", sagt Schulleiter Rüdiger Barneyer. Viele der rund 800 Schüler, von denen die meisten Leistungssport betreiben, trainieren bereits auf dem Areal rund um das Olympiastadion. Die sportbetonte Gesamtschule mit integrierter Gymnasialstufe hat seit 2001/2002 einen Kooperationsvertrag mit Hertha BSC und eine eigene Hertha-Klasse. Aber auch Leichtathleten, Hockey- und Tennisspieler sowie Schwimmer trainieren in Einrichtungen auf dem Olympiagelände. Nur die Ruderer absolvieren ihre Trainingseinheiten in der Nähe der Schule auf dem Hohenzollernkanal.

Alle anderen müssen fahren, sagt der Schulleiter. "Das raubt ihnen Zeit, die sie für das Training brauchen." Zudem müsse die Schule einen intensiven Fahrdienst mit Bussen unterhalten, denn die Mädchen und Jungen werden zu den Sportstätten gebracht. "Auf dem Olympiagelände können wir unsere Ressourcen besser nutzen", so Barney. Einen möglichen Standort hat die Schule schon gefunden. Sie möchte das ehemalige Hauptquartier der Engländer nutzen, das seit dem Abzug der Alliierten im Jahr 1994 leer steht. Die Senatsbildungsverwaltung unterstütze das Vorhaben, sagt Sprecher Jens Stiller. "Der Umzug würde optimale Bedingungen für den Leistungssport bieten."

Erste Schätzungen gehen von 15 bis 20 Millionen Euro aus, die es kosten würde, das Haus für die Poelchau-Schule herzurichten. Gegenwärtig werden durch die Senatsverwaltungen für Sport und für Stadtentwicklung konkrete Prüfungen durchgeführt - genügt die Statik des Gebäudes den Anforderungen, wie verhält es sich mit dem Denkmalschutz? "Ob die Schule umzieht, entscheidet letztlich das Abgeordnetenhaus", sagt Barney. Denn zum 1. Januar 2010 geht die Bildungsstätte wie alle anderen Eliteschulen des Sports in die Trägerschaft des Landes über. "Spätestens im Schuljahr 2012/13, möglichst aber noch eher, wollen wir umziehen", sagt Barney.

Der Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf, bis dato Schulträger, hat nichts dagegen. "Als bezirkliche Regelschule wird die Poelchau-Oberschule nicht mehr gebraucht", sagt Schulstadtrat Reinhard Naumann (SPD). Damit aber nach dem Umzug das Gebäude nicht leer bleibt und verfällt, hat das Bezirksparlament jetzt beschlossen, dort ein Zentrum für Bildung, Jugend und Sport zu entwickeln. Im Bereich gibt es bereits ein Oberstufenzentrum, einen Jugendtreff und eine Kita, eine Bücherei sowie eine Außenstelle des Bürgeramtes. Außerdem befindet sich in der Nähe eine Grundschule. "Möglich wäre, in der ehemaligen Poelchau-Oberschule ein weiteres Oberstufenzentrum oder eine Berufsschule einzurichten", sagt Naumann. Zuvor müsse das Haus aber saniert werden.

Noch im Sommer 2008 war dem Bezirk von der Senatsbildungsverwaltung mitgeteilt worden, dass es Überlegungen gibt, den gesamten Standort aufzugeben. "Wir haben uns vehement gewehrt", sagt Naumann. "Im September hat die Bildungsverwaltung ihren Standpunkt revidiert." Denn Charlottenburg-Nord ist eines der sozial schwächsten Gebiete im Bezirk. "Ein Leerstand des Gebäudes würde sich auf die gesamte Nachbarschaft nachteilig auswirken", sagt Naumann.

  Presseschau