Lösungswege ...    



vom 1. Dezember 2000
Lösungswege für ein Defizit

Nach jahrelanger Debatte soll jetzt in Berlin
eine vierte Sportschule entstehen

Unmittelbar nach der Wende sollten sie für manche West- Argwöhner alle weg: Heute fehlen die sogenannten »Eliteschulen des Sports« in keiner Erfolgsbilanz der Funktionäre. Der Ostteil der Hauptstadt hat gleich drei solcher Förderinstitutionen, deren Vorgänger in der DDR als KJS (Kinder- und Jugendsportschulen) bekannt waren. Nun wird darüber geredet, auch im Westen vergleichbares zu installieren. „Die Erfahrungen zeigen, dass die langen Fahrtwege innerhalb Berlins für Kinder und Jugendliche nicht zumutbar sind, damit auch kein vernünftiges Neben- und Miteinander von Schule und Training zu gewährleisten ist“, stellt Peter Schwarz, Leistungssport-Referent im Landessportbund, fest.
Seit zehn Jahren sucht man in der Politik Lösungswege für dieses Defizit, doch es hat sich nichts bewegt. „Jetzt haben wir gesagt, wir machen endlich ernst“, bekundet Schwarz und berichtet von einem Gespräch mit dem neuen zuständigen Sportsenator Klaus Böger, „in dem wir einen konkreten Vorschlag zur Einrichtung einer vierten Sportschule unterbreitet haben“. Die soll an die Sportstätten am und ums Olympiastadion angebunden werden und Disziplinen wie Leichtathletik, Hand-, Fuß-, Volley- und Wasserball, Eishockey, Rudern, Kanu, Schießen und Schwimmen präferieren. Da man von einem kurzfristigen Schulneubau nicht ausgehen könne, soll eine bestehende Einrichtung ab 2001 mit der Einschulung beginnen und schrittweise mit der skizzierten Spezialisierung ausgebaut werden. Eine fünfte und zwei siebente Klassen sollen im kommenden Jahr von der schon zumindest teilweise sportlastigen Harald-Poelchau- Schule in Siemensstadt unterstützt werden.
“Damit hätten wir eine Anlaufstelle für die Talente aus Charlottenburg, Reinickendorf, Wedding oder Zehlendorf geschaffen - und die Erkenntnis der Nützlichkeit solcher Einrichtungen hätte sich endlich auch im Westen Berlins materialisiert“, sagt Schwarz. Ob Berlins Sportschulen konkurrenzfähig sind, entscheidet sich auch über die Kosten, die zum Teil reichlich rigide an die Eltern weitergegeben werden. 900 Mark für ein spartanisches Zimmer und nicht ganz so spartanische Kost sind ein stolzer Preis. „Das können sich eben nur Besserverdienende leisten, und in diesem Zusammenhang kann man es keinem verdenken, wenn er zum Beispiel Potsdam vorzieht. Da nämlich sind nur 300 Mark pro Monat zu berappen“, meint Schwarz.                          Klaus Weise

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