Auftritt zur LA - WM 2009 ...



vom 22. August 2009


"Dance Track"

Hartes Training vor dem Auftritt am Brandenburger Tor

Samstag, 22. August 2009 04:00  - Von Kirsten Schiekiera

"Schießt eure Beine ganz nach oben!" ruft Kathlyn Pope. Ein Dutzend Beinpaare schnellen sofort in die Höhe. Die Mädchen, allesamt Schülerinnen der Chearleader-Klasse der Poelchau-Sportschule, liegen auf dem Boden und recken ihre Beine in die Luft. Lediglich Kopf, Schultern und Oberarme haben noch Bodenkontakt. "Und wisst ihr auch noch, welches Bein ihr anwinkeln müsst?", fragt die Pädagogin und Choreografin. Das Linke natürlich, alle Mädchen machen es richtig.

Ihr Auftritt ist Teil der Abschlussfeierlichkeiten der Leichtathletik Weltmeisterschaften und wird direkt vor dem Brandenburger Tor stattfinden. Klar, dass man da alles geben muss. "Dance Track" heißt die Choreografie, die Elemente aus dem klassischen Ballett mit Bewegungsabläufen aus der Leichtathletik verbindet. Das Projekt ist Teil des sogenannten Education-Programms des Staatsballetts und wird von dem Verein "Tanz ist Klasse" initiiert, der seit Jahren von Berliner helfen gefördert wird. Außer den Cheerleader-Schülerinnen machen auch Jungen und Mädchen mit, die zwar die gleiche Schule besuchen, deren sportliche Schwerpunkte aber in Bereichen wie Laufen oder Badminton liegen.

"Als ich die Schüler zu Beginn des Projekts gefragt habe, welche Bewegungen aus der Leichtathletik an Tanz erinnern, haben alle nur den Kopf geschüttelt", erinnert sich Kathlyn Pope. Für sie liegen die Ähnlichkeiten in den Bewegungsabläufen auf der Hand. Schließlich sehen die Schritte der Speerwerfer, wenn sie direkt vor der Abwurflinie stoppen, sehr elegant aus. Und auch Kugelstoßer und Hammerwerfer tänzeln und drehen sich in ihrem Ring. "Die größte Herausforderung bestand für die Leichtathletik-Schüler darin, dass sie sich plötzlich zu Musik bewegen mussten", sagt die Tänzerin Doreen Windolf, die gemeinsam mit Kathlyn Pope die Schülerinnen aus der Cheerleader-Klasse betreut hat. Geübt wird seit Ende April, zweimal pro Woche haben die Profis vom Staatsballett in diesem Zeitraum die Schule am Halemweg besucht. Die Jüngsten von ihnen kommen nach den Ferien in die achte Klasse, die Älteren besuchen bereits die Oberstufe. Die einzelnen Gruppen haben jeweils allein geprobt, werden am Sonntag jedoch gemeinsam auf der Bühne stehen.

Für die Schüler waren die Proben eine willkommene Abwechslung vom Schulalltag. "Es war perfekt - endlich mal was anderes als unser normales Training. Das ist auf die Dauer nicht immer besonders spannend ist", sagt ein Mädchen aus der Cheerleader-Klasse. Alle waren begeistert, dass sie in der letzten Woche an der Deutschen Oper in einem professionell ausgestatteten Probenraum mit weichem Tanzboden und Spiegelwand trainieren konnten.

Etwa vierzig Minuten wird der gesamte Auftritt dauern - eine lange Zeit, die mit Leben und exakten Bewegungen gefüllt werden muss. "Es war für uns alle eine sehr anstrengende Phase", resümiert Kathlyn Pope. "Der Leistungsstand der Schüler war unterschiedlich, und alle mussten sie ein Niveau erreichen, das ausreicht, um am Sonntag Berlin würdig vertreten zu können."

Die Choreografie enthält viele spielerische Elemente. Die Jugendlichen tanzen um Hürden und halten eine Stange, an der einige Mädchen Ballettübungen machen. Eine weitere zentrale Rolle spielt ein Tisch, auf dem einige Schülerinnen zeigen, was sie am besten können. Bei Anne ist das der Moonwalk à la Michael Jackson, bei Lisa ein sehr hoher gegrätschter Sprung mit abschließendem Spagat.

"Die Jugendlichen haben in den letzten Monaten sehr viel Disziplin entwickelt", freut sich Doreen Windolf stolz. In den Tagen unmittelbar vor dem Auftritt wurde besonders hart trainiert. "Ruht euch aus, entspannt euch. Wir sind sehr stolz auf euch!", ruft Kathlyn Pope den Jugendlichen nach knapp zwei Stunden zum Abschied zu. "Wir haben nur noch einen Tag zum Proben - nur noch einen einzigen Tag, um unser Ziel zur erreichen". Einige Jugendliche bleiben auch nach Probenschluss um Schrittfolgen und Pirouetten zu üben. Sie kontrollieren kritisch ihre Haltung im Spiegel: "Schließlich tanzt man nicht jeden Tag vor dem Brandenburger Tor", sagt eine junge Tänzerin.

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