Fußball als Schulfach ...


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Jugendfußball in Berlin
Heft  Dezember 2005
Fußball als Schulfach -
Sport als Beruf ?

Du treibst gerne Sport, spielst gerne und gut Fußball? Du könntest dir vorstellen einmal den Sport zu deinem Beruf zu machen? Vielleicht sogar einmal als Fußballspieler oder Fußballtrainer dein Geld zu verdienen?
Früh übt sich, was ein Meister werden will. Gerade im Sport ist es nicht möglich, erst als 17jähriger eine solche Laufbahn einzuschlagen, wenn man bis dahin keine fundierte sportliche Ausbildung genossen hat. Man entscheidet sich ja auch nicht mit 17 das Klavier spielen anzufangen, um Konzertpianist zu werden.
Sportbetonte Züge an mehreren Berliner Oberschulen bieten eine vielfältige Auswahl an sportlichem Zusatzunterricht. Wer es jedoch ernst meint mit der Doppelausbildung Sport und Schule, sollte den Wechsel an eine der vier Sportoberschulen des Landes Berlin erwägen. Diese unterscheiden sich von den Schulen, die einen Teil ihrer Klassen als "sportbetont" eingerichtet haben, schon dadurch, dass es nach den Bestimmungen des neuen Berliner Schulgesetzes nur an diesen vier Schulen möglich ist, in der Oberstufe Sport als Leistungskurs zu wählen. Dieses war bisher auch an anderen Gymnasien möglich.
Die Flatow-Oberschule liegt im Südosten Berlins. Schwerpunkt des leistungssportlichen Unterrichts ist bedingt durch die Nähe zum Wassersportrevier Grünau der Wassersport. Viele "Fußball-Schüler" der Flatow-Oberschule spielen beim 1.FC Union.
Einen exzellenten Ruf als Kaderschmiede noch aus den Zeiten des erfolgreichen DDR-Sports hat die Werner-Seelenbinder-Schule in Hohenschönhausen. Franziska van Almsick, Jan UIIrich, AndreasThom und Falko Götz haben neben vielen anderen bekannten Namen hier die Schulbank gedrückt und Ausbildungsschweiß vergossen. Hertha BSC unterhält vor allem für Jugendfußballer aus den östlichen Bezirken mit der Werner-Seelenbinder-Schule eine ergänzende Kooperation (ohne eigene Trainingsgruppe).
Nach den derzeitigen Plänen des Senats wird die Werner-Seelenbinder-Schule in nächster Zeit mit dem Coubertin-Gymnasium zu einer neuen Sport-Gesamtschule fusionieren. Das Coubertin-Gymnasium bietet keine Ausbildung in der Sportart Fußball an, weswegen wir hier nicht näher auf diese Schule eingehen.

Im Westteil der Stadt liegt die Poelchau-Oberschule. ln vier Parallelklassen werden junge Sportler aus zehn Sportarten, darunter auch Tanz, Wasserball, Moderner Fünfkampf, Eishockey ausgebildet. Gemessen an der Zahl der Schüler ist der Schwerpunkt der Schule Fußball. In jeder Klassenstufe trainiert eine vereinsübergreifende Gruppe, die unter der Federführung von Markus Schatte, dem Trainer der A- Junioren- Bundesligamannschaft von Tennis Borussia und sicher einem der renommiertesten Jugendtrainer Berlins, steht.

Nachdem Tennis Borussia Berlin in den ersten Jahren des Sportschulkonzepts das Fundament für das Fußballtraining an der Poelchau-Schule legte, hat in den letzten fünf Jahren die enge Kooperation mit Hertha BSC Berlin eine besonderere Bedeutung erlangt. Das Schultraining der Hertha BSC-Fußballer wird von den A- und B- Jugendtrainern Dirk Schlegel, Dirk Kunert, Goran Markov sowie der Ex-Nationalspielerin Anouschka Bernhard geleitet. Zu dem fußballspezifischen Training kommt eine regelmäßige Kraft- und Schnelligkeitsschulung, letztere unter Leitung des Sprint- Bundestrainers Uwe Hakus (s. Bild). Die Erfolge dieser Kooperation sind durchschlagend: Wahrscheinlich befindet sich in jedem Kader einer deutschen Jugendnationalmannschaft inzwischen mindestens ein Poelchau-Schüler. ln einem Länderspiel im Jahn-Sportpark gegen Österreich standen drei Poelchau-Schüler auf dem Feld. Noch wichtiger ist, dass aus der fünfjährigen Kooperation bereits mehrere Jungprofis in der Bundesliga für Hertha BSC zum Einsatz kamen.

Genauso bemerkenswert wie die sportlichen Erfolge der Schüler ist vielleicht die Entwicklung der Schule selbst. Als die drei vorgenannten Sportschulen sich zu DDR- Zeiten ihren großen Namen erarbeitet haben, hatte die Poelchau-Oberschule mit ganz anderen Schwierigkeiten kämpfen: Die sozialen Probleme, die damals in den 80er ihren in vielen der Berliner Gesamtschulen deutlich wurden, traten auch hier zutage. Man weiß, dass der Sport schon manchen jungen Menschen die Chance gegeben hat, sich aus negativen sozialen Situationen zu emanzipieren. Hier im Norden Charlottenburgs hat der Sport eine ganze Schule emanzipiert  - den in den letzten Jahren zusammengestellten und durch Hertha BSC betreuten Klassen sitzt nach der langen engagierten Aufbauarbeit des Lehrerkollegiums jetzt eineSchülerschaft,von deren Zusammensetzung manche Gymnasien träumen. Dabei wurde das Gesamtschulprinzip nie in Fragegestellt.  Es wurde erst zum Leben gebracht, denn was den Gesamtschulen auch heute Probleme macht, ist dieTatsache, dass die leistungsstarken und leistungswilligen Schüler ieber auf ein Gymnasium gehen. Auf die Poelchau-Oberschule (und natürlich auch auf die anderen Sportoberschulen) gehen heute Jugendliche, die sich einer Doppelbeanspruchung stellen: fordernde sportliche Ausbildung einerseits und gymnasiale Schullaufbahn andererseits.

Andreas Kloke, Autor dieses Artikels, 
ist Verbindungslehrer zwischen der Poelchau-Oberschule und Hertha BSC Berlin

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