Jasmin Müller bei Deutscher Meisterschaft im Judo ...  


Weg der Krieger

Jasmin Müller startet bei den Deutschen Judo-Meisterschaften

aus: Berliner Morgenpost v. 30. November 2001

Bushido - das heißt aus dem Japanischen übersetzt der «Weg der Krieger». «Bushido» gilt als der Startpunkt aller asiatischen Kampfkünste. Jasmin Müller betreibt eine der bekanntesten asiatischen Kampfkünste - Judo.
Die perfekte Ausübung der vier wichtigsten Gruppen von Kampftechniken, «Nage-Waza» (Wurf), «Kansetsu-Waza» (Hebel), Shine-Waza (Würgetechniken) und «Osaekomi-Waza» (Festhaltegriffe) dieser Sportart trainiert sie beim SC Bushido, dessen Trainingsstätte an der Tegeler Grußdorfstraße beheimatet ist.
Wohin der Weg des Kämpfens die 15-Jährige führt, ist längst nicht entschieden. Am Wochenende wird die junge Dame mit der schwarzen Struwwelfrisur einstweilen eine neue Stufe in ihrer Karriere beschreiten. Zum ersten Mal hat sich die 1,75 Meter große Mattenkünstlerin für die Deutschen Meisterschaften, die in diesem Jahr in Rodewisch (Sachsen) ausgetragen werden, qualifiziert. Ihr Ziel umreißt Jasmin Müller klar: «Ich möchte unter die ersten Drei kommen.»

Eine solche Platzierung wäre die Krönung des überaus erfolgreichen Jahres 2001. Jasmin Müller startete bei den Berliner Meisterschaften in der Gewichtsklasse bis 78 kg und gewann. Auch bei den Norddeutschen Meisterschaften vor gut zwei Wochen in Frankfurt (O.) holte sie sich den Titel. «Nach einem Freilos habe ich die restlichen drei Kämpfe gewonnen», erzählt sie stolz von ihrem bisher größten Erfolg. Den errang sie, obwohl sie nicht im Landesleistungszentrum im Sportforum Hohenschönhausen trainiert. «Unser Landestrainer Günter Krüger würde mich dort schon gerne sehen, aber die Trainingsgruppe gefällt mir nicht», erklärt sie.
Außerdem sei der Weg zu weit: «Ich müsste zwei Stunden fahren, hätte Probleme, die Hausaufgaben zu machen.» Zudem ist sie von ihrem Heimtrainer Peter Pawelz begeistert: «Er ist der beste Trainer, den ich kenne. Ihm habe ich meine Erfolge zu verdanken.» Pawelz gibt die Komplimente zurück: «Jasmin ist fleißig, zuverlässig, nur manchmal zur Gegnerin zu nett. Im Wettkampf ist das hinderlich.»
Die Schülerin an der sportbetonten Poelchau-Oberschule hat noch eine zweite sportliche Leidenschaft - Fußball. Einmal in der Woche trainiert sie bei der B-Jugend des VfB Hermsdorf. «Aber das mache ich nur zum Ausgleich. Judo bleibt meine Sportart Nummer eins», versichert der Musikfan.
Auf das sich aus dem Jiu-Jitsu entwickelte Judo kam Jasmin durch ihre Mutter. Nachdem die ältere Schwester Viola nach drei Jahren mit der Sportart aufhörte, animierte die Mama ihre Jüngste, damals zehnjährig, auf die Matte zu gehen. Es gefiel ihr gut, und nach einem Jahr Training durfte sie erste Wettkämpfe bestreiten. Bei ihren ersten Berliner Meisterschaften belegte sie gleich den fünften Platz.
Inzwischen hat sie den braunen, die Vorstufe zum schwarzen Gürtel erreicht. Auch mit stänkernden Klassenkameraden gibt es keine Probleme mehr. Die haben jetzt alle mächtigen Respekt.
Bleibt zu hoffen, dass der Weg des Kriegers die Kämpferin vom SC Bushido vielleicht schon bei den Deutschen Meisterschaften weit führt. uwe

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