Krieg steht nicht auf dem Stundenplan ...

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v. 17. März 2003


Krieg steht nicht auf dem Stundenplan
Die Irak-Krise im Unterricht - Wie ein Zeitungsprojekt beim Verstehen und Diskutieren hilft

Von Uta Keseling

2500 Schüler aus 91 Klassen lesen zurzeit die Morgenpost im Unterricht und schreiben Artikel für die Jugendseite. Die tägliche Berichterstattung über den drohenden Krieg ist in vielen Klassen Anlass für heftige Diskussionen - und für eigene Texte.
Was ist eigentlich die UNO? Wo liegt der Irak, und warum genau will Bush den Krieg? Wenn in der Schule die Rede auf das politische Thema dieser Tage kommt, verdrehen manche Schüler die Augen: Viel zu kompliziert. Andere werfen sich in jeder Pause dieselben "Argumente" über Bush und Saddam an den Kopf, ohne zu einem Ergebnis zu kommen. 

Bedeutung hat, die Bush nicht einfach ignorieren darf."
In einer Schulstunde haben die Schüler auch versucht, herauszufinden, wieso manche Jugendliche Politik trotz allem so langweilig finden. "Wenn man abends vorm Fernseher entspannen will, zappt man bei Nachrichten eben weg", erklärt Eileen (16). "Aber wenn man dann mal richtig nachdenkt, fällt einem was auf", ergänzt Jacqueline (15): "Krieg kann man Krieg nicht einfach wegzappen."
Auch die Adam Opel AG, der neue Sponsor des Projekts "Schüler machen Zeitung", unterstützt   
die Schüler. Das weltweite Unternehmen

Stress gibt es spätestens dann, wenn um den "Heiligen Krieg" gestritten wird. Manche Lehrer vermeiden das Thema lieber ganz und berufen sich auf den Lehrplan, auf dem natürlich der Irak-Krieg nicht steht. Dass es auch anders geht, beweisen die Lehrer, die mit ihren 91 Klassen seit den Winterferien

ermöglicht konkrete Einblicke in die moderne Autoproduktion von heute und die Technologien von morgen. Ein Thema stößt in vielen Berliner Schulklassen zurzeit auf besonders Interesse: "30 Nationen unter einem Dach" - wie schafft es ein internationales Unternehmen, 

Spaß am Diskutieren: Im Deutschkurs der Poelchau-Oberschule

die Berliner Morgenpost täglich in der Schule lesen. Deutschlehrerin Ute Lenz-Averhoff unterrichtet an der Poelchau-Gesamtschule in Charlottenburg einen Deutschkurs Klasse 9. "Einige meiner Schüler haben Familien, die aus Afghanistan oder dem Iran stammen. Deswegen war der Wissenstand anfangs sehr unterschiedlich", berichtet sie. Anhand der täglichen Zeitungslektüre tauschten die Schüler natürlich auch politische Meinungen und Argumente. "Um die Diskussion sachlicher zu gestalten, haben alle Schüler Referate zu aktuellen politischen Themen vorbereitet", berichtet Lenz-Averhoff. Themen waren z. B. die Anti-Kriegsdemonstrationen, die UNO oder der Irak. Die Erfahrung, wie wichtig für die Schüler dieses Hintergrundwissen ist, schildert Andriy (16): "Nach meinem Referat über die UNO habe ich meine Meinung zum Krieg völlig geändert. Eigentlich fand ich Bushs Politik in Ordnung. Dann wurde mir klar, dass die UNO eine viel zu wichtige

dass Mitarbeiter der unterschiedlichsten religiösen und politischen Zugehörigkeit friedlich und konstruktiv zusammenarbeiten? Mehr dazu lesen Sie demnächst auf dieser Seite.Die Artikel, die die Schüler im Rahmen von "Schüler machen Zeitung" verfassen, werden jeden Montag auf der Jugendseite veröffentlicht. Die Berliner Morgenpost hilft den Schülern mit Tipps und persönlichem Rat. Wie Nachrichten entstehen und die Zeitung gemacht wird, erfahren die Jugendlichen direkt beim Besuch des Druckhauses in Spandau oder von Redakteuren, die auf Wunsch die Klassen besuchen.
Um den medienkundlichen Unterricht zu gestalten, bekommen alle teilnehmenden Lehrer ausführliches Unterrichtsmaterial, das unter der Leitung von Prof. Dr. Günter Rager von Pädagogen und Medienwissenschaftlern des Media Consulting Teams (MCT) aus Dortmund aktuell erstellt wird.

"Nachrichten kann man wegzappen, den Konflikt nicht": Eine politische Diskussion
In der 9. Klasse an der Poelchau-Oberschule haben die Schüler im Deutschunterricht über den drohenden Krieg diskutiert.

Cathérine (16) (s. Bild): Wenn der Krieg ausbricht, dann kommt der Hass auch zu uns. Manche nennen es den Heiligen Krieg, also den Krieg zwischen den Religionen. Ich finde aber, Kriege können nicht heilig sein, denn wenn Tausende von Menschen darunter leider, ist das nur grausam.

Patrick (15): Ich glaube, Bush Junior will mit seinem Krieg jetzt beweisen, dass er das schafft, was sein Vater im ersten Golfkrieg nicht geschafft hat, nämlich sich die irakischen Ölquellen zu sichern und sich dort strategisch zu positionieren. Wie bei einem Schachspiel. Ich befürchte auch, dass durch Krieg die Reichen noch 

reicher und die Armen noch ärmer werden. Die Waffenindustrie verdient dann zwar viel Geld, aber davon haben die Armen nichts.

Eileen (16): Uns in Deutschland betrifft der Krieg nicht so direkt. Wenn ich abends den Fernseher anmache und entspannen will, dann zappe ich halt weg, wenn schon wieder diese Kriegsnachrichten kommen. Aber wenn man mal wirklich nachdenkt, merkt man, was für unglaubliche Folgen ein Krieg haben kann. Auch für uns. Ich finde es krass, dass die Amerikaner gleich das ganze Land bambardieren wollen, obwohl es ihnen doch einfach nur um Saddam Hussein geht.

Zino (14) (s. Bild): Meine Familie stammt aus Afghanistan und Persien. Wir glauben 

nicht, dass Bush mit seinem Krieg tatsächlich eine Demokratisierung im Irak bezweckt. Ihm geht es vielmehr darum, seinen Einfluss dort zu sichern. Wenn nach Saddam der nächste Diktator kommt, wird er das zulassen, solange sich dieser ihm unterwirft. Amerika ist tyrannisch und macht, was es will. Es tritt die Vernunft der Welt mit Füßen.


Jacqueline (15): Man kann Krieg nicht einfach wegzappen wie ein langweiliges Programm im Fernsehen. Ich befürchte, wenn der Krieg erstmal losgeht und sozusagen vor unserer Tür ist, werden sich  viele sagen, hätte ich doch mal früher nachgedacht. Übrigens finde ich nicht, dass man jetzt sagen sollte, die Amerikaner sind herzlos oder böse. Auch wenn ihre Regierung ihre eigenen Interessen verfolgt.  Irgendwie sind an der Misere alle ein bisschen Schuld.

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