Wo Talente Sebastian Deisler nacheifern ...  


nach unten


Nr. IX / 2001

Das neue Hertha-Internat / 
Kooperationsvereinbarung mit der Poelchau-Schule

Wo Talente einem Sebastian
Deisler nacheifern 
Von Hansjürgen Wille

Von wegen Fünf-Sterne-Hotel. Die geräumigen Zimmer der Hertha BSC-Fußball-Akademie im zweiten Stock des Kursistenhauses der ehemaligen Deutschen Turnschule auf dem Reichssportfeldgelände sind schlicht und spartanisch, aber dennoch recht zweckmäßig eingerichtet. Bett, Schrank, langer Schreibtisch, Sofa, ein gläsernes Beistelltischchen mit einer Lampe. Aber kein Telefon und kein Fernseher. An den weiß gestrichenen Wänden hängt ein großes Poster mit allen Stars der aktuellen Bundesligamannschaft, sozusagen als ständige Gedächtnisstütze, wohin der Weg führen sollte.
"Ganz toll, was ich hier vorgefunden habe", schwärmt der 14-jährige Robert Müller aus Halle und erhält  Zustimmung von sei nem ein Jahr älteren Kameraden Andreas Thomas, der aus Frankfurt/Oder stammt. Begeistert zeigten sich die beiden von den vielen Möglichkeiten des 

Die Zwölf- und 13-Jährigen besuchen die siebente Klasse der sportbetonten Poelchau-Schule. Die älteren Spieler, die unter anderem aus Stuttgart, Nürnberg, Eisenhüttenstadt und Chemnitz kommen, gehen in die höheren Klassen der gleichen Schule und können sogar das Abitur machen. Alle werden täglich mit einem Bus zur Schule beziehungsweise zwischenzeitlich zum Training gefahren, und zwar von Harry Ramin, der gemeinsam mit seiner Frau Regi na die Funktion von Herbergseltern übernommen hat. Beide kümmern sich um die Sauberkeit und sind zu jeder Zeit ansprechbar, zumal sie im selben Stockwerk wie die jungen Spie ler wohnen. Un terkunft und Verpflegung sind frei, ebenso die komplette Trainingsbekleidung. 

Internats, denn es gibt unter anderem einen Spielsalon mit Billardtischen, Dart und Flippern, außerdem ein Internet-Cafe, einen großen Speiseraum, einen Fernsehraum und mehrere Besprechungszimmer"Wir bieten den Jungs alles, damit sie sich nicht nur bei uns wohlfühlen, sondern auch zu einem guten Sportler und einer Persön- lichkeit entwickeln können",

Wer also zuvor erfolgreich ge sichtet und in die Hertha-Akademie aufgenommen wurde, der gehört sicherlich zu den privile gierten Fußball-Talenten im Lande. Er bekommt aber nicht nur eine hervorragende fußballeri- sche Ausbildung, für die die Trainer Frank Vogel, An dreas Thom, Dirk Schlegel und Michael 

Falko Götz mit Robert Müller und Andreas Thomas, beides Schüler der Poelchau-Oberschule

erklärtFalko Götz (39), der als Koordinator für den Amateur- und Jugendbereich bei Hertha BSC verantwortlich ist und früher unter anderem beiHertha BSC, Galatasaray Istanbul, 1.FC Köln, Bayer 04 Leverkusen und dem BFC Dynamo Berlin gespielt hat. Schule, Internat und Training sollen einen Dreiklang bilden, wobei besonderer Wert auf die Kommunikation gelegt wird.
Deshalb haben zwei Einzelzimmer, von denen es insgesamt 18 gibt, auch stets ein gemeinsames Bad, wo man sich treffen und mit einander kommunizieren kann. 
Die Hertha-Verantwortlichen haben sich in England, Holland und auch bei anderen Bundesligaklubs umgesehen, um das Optimale aus den vorhandenen Gegebenheiten herauszuholen. Auf den ersten Blick scheint das voll gelungen zu sein.

Wolf zu ständig sind, sondern auch eine fürsorgliche Be gleitung seines schulischen Weges."Mit dem Leistungszentrum wollten wir ein Zeichen setzen", so Götz. "Wir stecken jährlich viel Geld in die Akademie und insgesamt 5,5 Millionen Mark in die gesamte Jugendarbeit von Hertha BSC. Wohl verständlich, dass wir eines Tages auch eine Rendite sehen wollen, sprich, dass dem einen oder anderen der Sprung in unsere erste Mannschaft gelingt oder dass er bei anderen Bundesliga oder Zweitligaklubs unterkommt".  Der Ehrgeiz ist unverkennbar da, sowohl beim Management als auch bei den Jungs, von denen einige schon in den deutschen Nachwuchs-Teams spielen. Kein Wunder, wenn Robert Müller und Andreas Thomas übereinstimmend erklärten, dass sie am liebsten einem Sebastian Deisler nacheifern möchten.

Presse

nach oben