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Mehr als nur ein goldener Jahrgang |
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Hertha BSC sorgt nicht nur als
Tabellenführer der Bundesliga für Aufsehen: |
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Berlin
- Die Flanke zu dem Tor, das Hertha
BSC am Sonntagabend an die Spitze der
Bundesliga verhalf, kam von rechts, und doch
von viel weiter her als von der Kreidelinie am
Spielfeldrand. Kevin Boateng war der
Lieferant des Balles, und dass der Szene etwas
Exemplarisches anhängt, liegt daran, dass der
19-Jährige ein Absolvent von Herthas
Nachwuchsakademie ist. Sie galt auf nationaler
Ebene schon als Spitze, als bei Hertha BSC
noch niemand ahnte, dass die Profis die
Tabellenführung übernehmen könnten. Nur die Bayern bezahlen mehr |
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"Vielleicht
bringt er dadurch mehr Vertrauen in
Nachwuchsspieler mit", glaubt Stöber. Götz
pflegt auch die Patenschaftsprojekte, jeder
Internatsbewohner hat einen Tutor aus dem
Profikader. "Ich weiß von meiner Zeit bei
Ajax Amsterdam, wie wichtig es ist, einen
gestandenen Profi an der Seite zu haben", sagt
Dick van Burik, der Kapitän der A-Mannschaft.
Nicht alle angehenden Akademiker schaffen den Sprung bei Hertha. Manchen fehlt der Biss, manchen steigt das Wissen um die eigene Begabung und die damit verbundenen Privilegien zu Kopf. Die normale Welt der Gleichaltrigen muss den Jugendlichen erst vor Augen geführt werden, neulich waren die Jungprofis bei Lehrlingen eines Autobauers zu Besuch. Auch wegen Schlagzeilen über Eskapaden legt man verstärkt Wert auf Charakterschulung. Unlängst besuchten die Talente das Theaterstück Garuma, das vom Aufstieg und Fall eines Fußballstars erzählt, angelehnt an die Biografie das tragisch verstorbenen Brasilianers Garrincha. Die Verlockungen der Berliner Partyszene ereilen die Nachwuchsspieler früh - so früh, dass sie "nur selten reif dafür" sind, sagt Vogel. "Wir irren uns - aber
selten" |
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Absolvent der Hertha-Akademie: Kevin Boateng |
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"Spielerisch haben wir überzeugen können", sagt Vogel und es klingt, als sei ihm dies wichtiger als der Gewinn deutscher Jugendmeisterschaften. Die seien als Beleg für gute Arbeit zwar willkommen, wichtiger aber sei, eine Spielphilosophie zu vermitteln, die Hertha eine eigene Identität verschafft: "Es gibt dabei kein Dogma, sondern nur Eckdaten", sagt Vogel, "wir wollen offensiven, geordneten, frechen Fußball, der so ist wie die Berliner Mentalität - selbstbewusst und keck." Für das Training heißt das, dass Ballorientierung und Kreativität im Vordergrund stehen, dass mit hohem Tempo und wenigen Ballkontakten gespielt wird, dass der Mut gefördert wird, Eins-gegen-Eins-Situationen offensiv zu lösen.Zehn Berliner stehen im Profikader, mehr Eingeborene hat kein anderer Erstligist in seiner ersten Auswahl. Mit Malik Fathi kann die Nachwuchsakademie den ersten Nationalspieler vorweisen, Alexander Madlung wäre fast der zweite geworden. Er spielt mittlerweile beim VfL Wolfsburg, wurde aber ebenfalls bei Hertha angelernt. Denkbar wurde das nur, weil der Weg ins Profiteam offen steht, "dort kennen und schätzen sie die Qualität des Nachwuchses", sagt Vogel. Ein wenig wurden die Berliner freilich zu ihrem Glück gezwungen. Bei inzwischen fast 50 Millionen Euro Schulden war es unumgänglich, auf die eigene Jugend zu setzen statt auf den Kauf teurer Stars.Doch wurde die Jugendförderung bereits vor dem Ausbruch der Finanzkrise forciert. Man müsse seine Sebastian Deislers selbst fabrizieren, war die Devise von Manager Dieter Hoeneß, nachdem er einst das Wettbieten um das Talent aus Lörrach nur mittels einer Irrsinnssumme gewonnen hatte. Den Auftrag, das Konzept zu erarbeiten, erhielt Falko Götz; der heutige Cheftrainer war der erste Leiter der Akademie. |
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