Eliteschmieden fusionieren ...


v.  3. Dezember  2004


Eliteschmieden fusionieren: 
Werner-Seelenbinder-Schule und Coubertin-Gymnasium werden zusammengelegt - Ziel soll bessere Profilierung sein

Von Christiane Freiwald-Jerusalem

Berlins Sportschulen stehen auf dem Prüfstand. Angesichts des eher mäßigen Erfolgs auch der Berliner Olympioniken in Athen hat die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend, Schule und Sport eine Arbeitsgruppe eingesetzt, die ein neues Konzept für die Schulen erstellt. Ziel soll die klare Profilierung als Eliteschulen des Sports sein, um das Bestmögliche für den Leistungssport in der Stadt erreichen zu können.

Das Konzept soll zwar erst Ende des Jahres vorliegen, für einen wichtigen Baustein laufen aber bereits die Vorbereitungen: "Die Werner-Seelenbinder-Schule (Fritz-Lesch-Straße 35) in Hohenschönhausen und das Coubertin-Gymnasium (Conrad-Blenkle-Straße 34) in Prenzlauer Berg werden zu einer gemeinsamen Einrichtung zusammengelegt", bestätigt der Sprecher der Senatsschulverwaltung, Kenneth Frisse, auf Anfrage der Berliner Morgenpost. Die Fusion werde im Schuljahr 2006/2007 beginnen und bis zum Schuljahr 2009/2010 beendet sein. Derzeit sei man mit Eltern, Schülern, Schulleitern und Landessportbund in entsprechenden Gesprächen zur Umsetzung, sagt Frisse. Künftig sollen die beiden fusionierten Sportschulen sowie die Flatow-Oberschule (Birkenstraße 11) in Köpenick, die sich in der Obhut der Senatsverwaltung befinden, nur noch Leistungssportler besuchen. Schüler, die mit dem Leistungssport aufgehört haben, müssen die Sportschulen verlassen. An entsprechenden Auffanglösungen wird zur Zeit gearbeitet.

Gerade an den vielen Schülern, die keinen Leistungssport mehr treiben, krankt das bisherige Modell der Berliner Sportschulen, sind sich viele Experten einig: Die Schüler der siebten Klassen kommen auf Empfehlung ihrer jeweiligen Landessportverbände, haben sich schon erste sportliche Meriten erworben. Im Laufe der Schullaufbahn hören aber viele mit dem Leistungssport wieder auf. So liegt der Anteil der Leistungssportler an der Werner-Seelenbinder-Schule (1109 Schüler) bei rund 50 Prozent, bei 40 Prozent im Coubertin-Gymnasium (rund 700 Schüler) und bei unter 20 Prozent in der Flatow-Oberschule (680 Schüler).

Eine mögliche Alternative für Schüler, die dem Leistungssportgedanken abge- schworen haben, bietet die sportbetonte Poelchau-Oberschule (rund 700 Schüler) in Charlottenburg, Halemweg 24. Die Gesamtschule hat zwei Klassen, die auf

Empfehlung der Landessportverbände zusammengesetzt werden, zwei Klassen für Leistungssportler, die die Schule selber sichtet und zwei Klassen für sportbegeisterte Schüler. So können Schüler, die keinen Leistungssport mehr treiben, in die anderen Klassen wechseln, spezielle Kurse für Trainer, Übungsleiter oder für das Sportmanagement besuchen.

Für Sabine Westphal vom Olympiastützpunkt in Hohenschönhausen, die mit an dem neuen Konzept arbeitet, gibt es keine Alternativen zu den Sportschulen. Diese aber sollten sich weiter als Eliteschulen des Sports profilieren, sich nur um den relativ kleinen Kreis der jungen Leistungssportler kümmern, damit die die schwierige Aufgabe, Schule und Training unter einen Hut zu bekommen, möglichst erfolgreich meistern können. Bislang gibt es rund 2000 Kinder und Jugendliche in Berlin, die in sogenannten D-Kadern, der untersten Klasse der Leistungssportler, trainieren.

Das Interesse am Sport und vor allem die Bereitschaft der Kinder und Jugendlichen, sich für den Sport jahrelang zu schinden, um an die Spitze zu gelangen, sind nach Ansicht von Dr. Wolfgang Grothaus, Präsident des Berliner Kanuverbandes, stark gesunken. Er plädiert für Aufnahmetests an den Sportschulen. Grothaus beklagt einen seit Anfang der 90er Jahre zu beobachtenden kontinuierlichen Leistungsrückgang; nach Schätzung des Verbandspräsidenten liegt der bei 30 bis 40 Prozent. 

Jürgen Worms, Landestrainer des Berliner Ruderverbandes, kritisiert, daß "durch gestrichene Fördermittel sich viele Vereine eine aktive Jugendabteilung nicht mehr leisten können." Auch er klagt über mangelndes Interesse der Kinder am Sport: "In Berlin gibt es eben ein riesiges Freizeitangebot in allen Bereichen."

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