Kampf ohne Badehose ...    


  vom 31. Januar 2002

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Rot-roter Senat will zwei Hallenbäder in Charlottenburg schließen
Schwimmer kämpfen jetzt ohne Badehose

Charlottenburg. Elf Hallenbäder müssen voraussichtlich zum 1. Juli geschlossen werden - so will es der neue Senat. Die alte Halle des Stadtbads Charlottenburg in der Krummen Straße und das Forumbad in der Hans-Braun-Straße gehören dazu.

Im Forumbad schwimmen hauptsächlich Spitzensportler und solche, die es werden wollen. Das Haus ist die Trainingsstätte des Vereins "Wasserfreunde Spandau 04". Außer den Wasserballern ziehen Schüler der

kein Platz. Dort lernen zum Beispiel Grundschüler schwimmen - ein Pflichtfach im Stundenplan. Im Bad tummelt sich zu gewissen Zeiten auch das "gemeine" Volk.
Die Poelchau-Oberschule ist seit diesem 

Poelchau-Oberschule an vier Wochentagen stundenlang ihre Bahnen durchs Wasser. Schulleiter Rüdiger Barney: "Das sind angehende Spitzensportler, die täglich kilometerlang Fliesen schruppen müssen, wie wir sagen." Und genau dies sei das 

Schuljahr  die erste Sportschule im Westen Berlins. Ein Angebot, das mit Senatshilfe eingerichtet wurde. Deshalb versteht Charlottenburgs Sportstadtrat Reinhard Naumann (SPD) die Schließungspläne von Rot-Rot nicht: "Ohne das Forumbad ist das sportliche Profil der 

Problem: Er wisse nicht, wo die über 100 angehenden Spitzenschwimmer, Wasserballer und modernen Fünfkämpfer sonst ausreichend trainieren können. In der neuen Halle des Stadtbads Krumme Straße sei sicher 

Poelchau-Oberschule in Gefahr." Hinzu komme, dass das Unterrichtsangebot Wasserball berlinweit einzigartig sei. Naumann ärgert sich auch darüber, dass der Senat den Bezirk bei seiner Entscheidung außen vor ließ.

Neben dem Forumbad soll auch die alte Halle im Stadtbad Charlottenburg schließen. Sie wird gerne von älteren Menschen und Behinderten genutzt. Das Wasser ist immer 28 Grad warm. Reinhard Naumann spricht von einer "wahren Perle", die der Bezirk nun aber wohl preisgeben muss. Er vermutet, dass das Warmbadeangebot den Berliner Bäderbetrieben viel Geld kostet und deren Kosten-Nutzen-Rechnung nicht aufgeht. Fakten kennt er nicht.
Bis Redaktionsschluss hielten sich die Bäderbetriebe bedeckt. Hans-Joachim Munte, der bei den Berliner Bäderbetrieben die Geschäftsstelle leitet, sagt gegenüber dem Abendblatt nur so viel: "Die Besucherzahlen sind in der alten Halle gering." Er werde keine Wirtschaftsdaten zu einzelnen Bädern preisgeben. Ob ein Bad sich rentiere oder nicht, hänge von vielen Faktoren ab und er wolle nicht, dass ein falsches Bild entstehe.
Für das aktuelle Betriebsjahr werden die Mittel für die Bäderbetriebe laut Koalitionsvereinbarung von SPD und PDS noch einmal gekürzt: von bisher 83 Millionen Mark auf rund 77 Millionen Mark, also um drei Millionen Euro. Die Bäderbetriebe müssen sparen, und dies gehe nur durch Stillegungen, so erläuterte Regionalleiter Klaus Schulze kürzlich. "Bäder sind teuer im Unterhalt. Mit dem Eintrittsgeld allein kann kein einziges bewirtschaftet werden."
Welche Bäder geschlossen werden, haben die Koalitionspartner bei ihren Verhandlungen gleich festgelegt. Der Aufsichtsrat der Berliner Bäderbetriebe wird Mitte Februar über die Schließung dieser Bäder abstimmen. Sollte er sich für den Erhalt einiger der Sportstätten aussprechen, könnte das Abgeordnetenhaus das Bäder-Anstalts-Gesetz ändern und die betreffenden Bäder einfach aus dem Bestand der Bäderbetriebe herausnehmen.
1995, als die Bäder noch in der Regie der Bezirke verwaltet wurden, gab es insgesamt 145 Millionen Mark vom Senat. Mit der Gründung der Bäderbetriebe im Jahr 1996 wurde die Summe sofort auf 103 Millionen Mark gekürzt, 2001 waren es noch 83 Millionen Mark. Werden die elf Bäder geschlossen, werden deren 60 Mitarbeiter auf die anderen Bäder verteilt. Die jährliche Zuwendung des Senats reicht nur für die Bewirtschaftung der verbleibenden Bäder. Regionalleiter Schulze: Wir haben einen Investitionsstau von 100 bis 125 Millionen Euro. Wenn wir dafür kein Geld bekommen, werden wir noch ganz andere Bäder schließen müssen."
Im Bezirk sind sich alle Parteien einig, dass das Forumbad für den Vereins- und Schulsport erhalten bleiben muss: Die Bezirksverordnetenversammlung stimmte am Donnerstagabend einstimmig für eine entsprechende Empfehlung des Sportausschusses. con/völ 

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