Zwischen Fußballplatz und Klassenzimmer ...


vom 23. September 2008

nach unten


Zwischen Fußballplatz und Klassenzimmer

In der Charlottenburger Poelchau-Oberschule trainieren talentierte Nachwuchs-Kicker  – manche haben sogar schon einen Profi-Vertrag

Als er 13 Jahre alt war, träumte Florian Riedel wie viele Jugendliche davon, Profifußballer zu werden. Heute, fünf Jahre später, hat er den Einstieg geschafft. Im Sommer hat der 18-Jährige einen Dreijahresvertrag bei Hertha BSC unterschrieben. In der Saison-Vorbereitung spielte er bereits gegen den FC Liverpool. Doch Fußball ist nicht alles für ihn. „Ich will ein gutes Abitur machen“, sagt Riedel.

Die Möglichkeit dazu bietet ihm die Poelchau-Oberschule im Charlottenburger Halemweg. Sie ist „Eliteschule des Fußballs“. Die Auszeichnung hat sie vom Deutschen Fußballbund erhalten. Er würdigt damit jene Schulen, die „ein Umfeld aufgebaut haben, in dem Talente intensiv trainieren können und gleichzeitig schulisch begleitet und gefördert werden“.

Bundesweit gibt es 20 Eliteschulen des Fußballs. Die Poelchau-Schule ist die einzige in Berlin. Seit 2006 trägt die Gesamtschule mit gymnasialer Oberstufe bereits den Titel „Eliteschule des Sports“, verliehen vom Deutschen Olympischen Sportbund wegen der Förderung des Leistungssports.

Gut 800 Schüler besuchen die Poelchau-Oberschule heute. „Etwa 160 bis 170 Jungen und 30 Mädchen spielen Fußball“, sagt Schulleiter Rüdiger Barney. Die anderen belegen Sportarten wie Hockey, moderner Fünfkampf oder Schwimmen. Vormittags trainieren die Schüler zwei Stunden in ihrer Disziplin, davor und danach werden die übrigen Fächer unterrichtet. Besondere Talente trainieren auch nachmittags.


Foto: Andreas Labes

Dann stehen für ihn acht Stunden Unterricht in der Poelchau-Schule an. „Das ist der anstrengendste Tag“, sagt er. 

So wie Florian Riedel spielen noch zwei andere Poelchau-Schüler bei den Hertha-Profis: Lennart Hartmann und Shervin Radjabali, beide 17 Jahre. Viele andere Fußballer haben vor ihnen die Poelchau-Schule besucht. Darunter Ashkan Dejagah, heute beim VfL Wolfsburg, sowie Marc Stein und Patrick Ebert von Hertha. Während manch einer die Schule verlässt, sobald er einen gut dotierten Profivertrag in der Tasche hat, will Florian Riedel nicht vorzeitig aufgeben: „Ich gehe nicht zwölf Jahre zur Schule, um anderthalb Jahre vor dem Abitur zu sagen, das war’s.“ Das Abitur auf der Poelchau-Schule erhalten aber selbst talentierte Sportler nicht durch bloße Anwesenheit. Zwar können die Schüler für das Abitur Sport als Leistungskurs wählen – um eine gute Zensur zu bekommen, reicht es jedoch nicht aus, gut Fußball zu spielen. Die Schüler müssen sich auch in Theorie auskennen – etwa in Trainingslehre. Weil Talente wie Florian Riedel mehr Zeit zum Trainieren benötigen, kommt ihnen die Schule entgegen: In Ausnahmefällen dürfen sich die Schüler für das Abi nach der zehnten Klasse vier Jahre Zeit lassen statt es nach drei Jahren zu machen. Der Erfolg, den die Poelchau-Schule hat, kann sich sehen lassen. In Glasvitrinen stapeln sich Dutzende gewonnener Pokale. Der wichtigste Triumph war der Sieg der Fußball-WM der Schulen im vergangenen Jahr in Chile. Es war der erste Weltmeistertitel für Florian Riedel. Es soll nicht der letzte bleiben.

Für Florian Riedel beginnt der Schultag mit dem Aufstehen um 6.30 Uhr im Fußball-Internat von Hertha neben dem Olympiastadion. 

Dort lebt der gebürtige Werdauer seit seinem Umzug nach Berlin vor drei Jahren. Von 8 Uhr bis 9.35 Uhr wird Riedel von einem Lehrer der Poelchau-Schule in der Hertha-Akademie neben dem Internat unterrichtet. Ab 10 Uhr steht der Sportschüler dann mit den Fußballprofis von Hertha auf dem Trainingsplatz. Wenn Spieler wie Arne Friedrich oder Marko Pantelic nach dem zweistündigen Training in ihre Autos steigen und nach Hause fahren, setzt sich der 18-Jährige in die U-Bahn oder in einen Shuttle-Bus und fährt zur Poelchau-Schule. Die 20-minütige Fahrt nutzt er, um schnell noch einen Blick in seine Schulhefte zu werfen. Von der fünften bis zur achten Stunde paukt Florian Riedel dann Fächer wie Mathe, Physik, Deutsch und Geschichte. Um 15.20 Uhr ist der Unterricht in der Poelchau-Schule zu Ende. Dann heißt es für Riedel, sich zu beeilen. Denn um 16 Uhr beginnt neben dem Olympiastadion bereits das zweistündige Nachmittagstraining bei Hertha. „Fußball bestimmt mein Leben“, sagt der 18-Jährige. Nur am Montag hat er trainingsfrei. 

  Presseschau 

nach oben