Erwartungen an die Eliteschulen des Sports ...

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Erwartungen des Sports an die Weiterentwicklung

der Eliteschulen des Sports in Berlin


von Peter Schwarz

Referent Leistungssport des LSB

Erwartungen des Sports - konkret geht es um die berechtigten Erwartungen jugendlicher Nach- wuchssportler, die in einem Spannungsfeld leben, das durch hohe schulische Anforderungen, in der Regel tägliches Training, oft wochenlange Wett- kampfreisen und damit wenig Zeit für Freundes- kreis und Familie geprägt ist.
Der langfristige Trainings- und Leistungsaufbau als zielgerichteter Prozess zur Entwicklung der sportlichen Leistungsfähigkeit vom Einstieg in den Wettkampfsport bis zum Erreichen sportlicher Spitzenleistungen hat sich in Berlin eindeutig als Hauptweg der sportlichen Leis- tungsentwicklung von Spitzenathleten erwiesen.
In den gegenwärtig 20 Berliner Schwerpunkt- sportarten wird deshalb dieser Hauptweg strukturell durch das Schule-Leistungssport- Verbundsystem (z.Zt. 3 anerkannte Eliteschulen des Sports, eine weitere Schule im Aufbau), durch hauptamtliche Trainer ab der Einschulung in die Eliteschulen, durch Training in den Leis- tungsstützpunkten (Landesleistungszentrum, Bundesstützpunkt) und eine entsprechende sportmedizinische, trainingswissenschaftliche und soziale Betreuung (ab D/C-Kader) durch den OSP Berlin gefördert.

Gemessen an den Vorgaben des Nachwuchs- leistungskonzepts des DSB und des 9-Punkte- Katalogs vom 3.11.2000 der Kommission 'Sport' der KMK ist in Berlin bereits ein guter Stand der Kooperation von Schule und Sport erreicht worden:
- 967 Landes- bzw. Bundeskader lernen und trainieren an den Berliner Eliteschulen (210 A- bis D/C-Kader);
- Einschulung - einschließlich Quereinstieg - erfolgt auf der Grundlage sportartspezifischer Aufnahmekriterien (LSB-Empfehlung);
- enge örtliche Anbindung an die Leistungszentren der Sportarten (LLZ, BSTP) ist gewährleistet;
- die Abstimmung Unterricht - Training im Ganztagsbetrieb ermöglicht Vormittagstraining bzw. mehrmaliges Training;
- flexible Regelungen innerhalb der Schullaufbahn - Schulzeitstreckung Sek. II - sind möglich;
- reduzierte Klassenstärke / Kapazitäten für spätere Quereinsteiger werden vorgehalten;
- Einsatz hauptamtlicher Trainer (besonders Landestrainer, OSP-Trainer, Bundesstützpunkt- trainer);
- enge Kooperation mit dem OSP (besonders ab D/C-Kaderbereich);
- Vollzeitinternat mit pädagogischer Betreuung;
- Berliner Eliteschulen des Sports sind offen für alle Bundesländer.

Ausgehend von dieser bereits guten Ausgangs- situation sehen wir folgende Ansätze zur Weiterentwicklung unserer Kooperation mit den Berliner Eliteschulen des Sports.
Auf dem Prüfstand steht die Frage, wie es in der Realität tatsächlich gelungen ist, jugendlichen Sporttalenten bei der Bewältigung der Doppelbelastung von Schule und Leistungssport solch umfangreiche Hilfen und Unterstützung zukommen zu lassen, dass sie gezielt und systematisch für die Erringung nationaler und internationaler Erfolge vorbereitet werden und
gleichzeitig die angestrebten Bildungsabschlüsse erreichen können.
Es geht also nicht nur um das Vorhandensein bestimmter Rahmenbedingungen, sondern um die Qualität ihrer Wirksamkeit auf den heranwachsenden Sportler.
In diesem Zusammenhang wäre es wünschenswert, wenn die "Anerkennungskriterien für Eliteschulen des Sports" des DSB, die vordergründig auf Kaderzahlen und Rahmenbedingungen abheben, zu "Qualitätskriterien für Eliteschulen des Sports" weiterentwickelt werden.
Eingeordnet in die gegenwärtige generelle Schul- und Bildungsdiskussion in unserem Land geht es zunächst einmal um das schulische Lernen - um die Qualität als Schule im Vergleich und in Konkurrenz zu anderen Gymnasien, Gesamtschulen usw.. Nach unseren Erfahrungen

entscheiden sich die Eltern bei der Einschulung ihrer Kinder in eine Eliteschule des Sports (in der Regel 5. bzw. 7. Klasse) mehrheitlich nach gründlicher Prüfung der vorhandenen schulischen Bedingungen. Welche Qualitätskriterien werden insbesondere hinterfragt:
- hochwertiger Fachunterricht durch motivierte, mit dem Leistungssport verbundene Lehrer;
- geringer Unterrichtsausfall;
- abgesenkte Klassenfrequenz;
- Einsatz neuer Medien;
- Schulklima, Lernatmosphäre (Fair Play, Leistungsstreben, Integration, gesunde Lebensweise, Gewaltfreiheit);
- Sonderregelungen besonders in der Sek. II (Schulzeitstreckung, Gruppen- bzw. individuelle Einzellösungen);
- Regelungen bei "Quereinsteigern" aus anderen Bundesländern;
- Flexibilisierung schulischer Zeitstrukturen im Ganztags-, Wochen- und Jahresverlauf (Unterricht am Wochenende, abweichende Ferienregelungen);
- Integration des Sportangebots der Schule in das Training.

Auf der Grundlage eines großen Engagements der handelnden Personen gibt es zu diesem genannten Komplex bereits eine ganze Reihe von Erfahrungen und zum Teil sehr individuellen Lösungen. Allerdings stoßen viele Bemühungen und Vorhaben an die Grenzen der allgemeinen schulrechtlichen Rahmenbedingungen, die in den Bundesländern zum Teil sehr unterschiedlich sind, und des Beamtenrechts.

Unbedingt notwendig sind im Interesse einer kontinuierlichen, gesicherten Arbeit an den Eliteschulen des Sports klare gesetzliche Regelungen, die der Aufgabenstellung als Spezialschulen zur Förderung von sportlichen Begabungen gerecht werden. An einer solchen Rechtsverordnung wird gegenwärtig in Berlin - wie in anderen Bundesländern auch - gearbeitet. Dabei sollte weitestgehender Gestaltungsraum für die Kooperation von Schule und Leistungssport vor Ort und in enger Verantwortung gewahrt bleiben.

Im Bereich des leistungssportlichen Trainings geht es um folgende Kriterien:
- Zusammenführung der besten Sportler bei Erfüllung der sportartspezifischen Aufnahmekriterien und analoger Kriterien für 'Quereinsteiger' in den oberen Jahrgängen;
- Einsatz hauptamtlicher Trainer, unterstützt durch Lehrer/Trainer mit Trainer-Lizenz;
- Training in den Leistungszentren der Verbände auf der Grundlage der Vorgaben der Rahmentrainingspläne der Verbände.
Das bedingt eine regionale Konzentration von Talenten, insbesondere in den Schwerpunktsportarten, an den Standorten der Eliteschulen des Sports und erfordert Teilzeit- und Vollzeitinternate.

Die Diskussion zur überregionalen Konzentration von Sporttalenten - insbesondere im Altersbereich der Sekundarstufe II - sollte zu praktikablen Lösungsvorschlägen geführt werden. Erfahrungswerte liegen z.B. aus der Zusammenarbeit der Bundesländer Thüringen, Sachsen, Sachsen-Anhalt sowie Brandenburg und Berlin, bzw. in Sportarten, wie Rhythmische Sportgymnastik und Badminton, vor. In der Umsetzung dieser Forderung des Nachwuchsleistungssportkonzepts des DSB liegen noch große Reserven für die Förderung von sportlichen Talenten und Begabungen, die nicht "nach Sportarten sortiert" in den jeweiligen Bundesländern heranwachsen. 
Traditionelle, sportartspezifische Vergleichswettkämpfe, wie z.B. in der Sportart Judo mit dem Gastgeber Sportgymnasium Leipzig und im Fußball mit dem Gastgeber Flatow-Oberschule in Berlin, könnten neben dem sportlichen Vergleich zur Imagebildung und Zusammenhalt der Eliteschulen des Sports überregional beitragen.

aus: 3 / 2002

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