Eliteschulen im Umbruch ...

Stand: 3.4.05


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1/2005 Berliner Eliteschulen des Sports 
im Umbruch

Die Eliteschulen des Sports sind inzwischen unumstritten bundesweit als wichtige Eckpfeiler für die Entwicklung des Nachwuchsleistungssports anerkannt.
"Eliteschulen des Sports sind Fördereinrichtungen, die im kooperativen Verbund von Leistungssport, Schule und Wohnen Bedingungen gewährleisten, damit talentierte Nachwuchsathleten/ innen sich auf künftige Spitzenleistungen im Sport bei Wahrung ihrer schulischen Bildungschancen vorbereiten können." (vgl. Stützpunktkonzept des DSB-September 2004).
Bisher sind bundesweit 38 Schulen im Verbundsystem Schule Leistungssport mit dem Titel "Eliteschule des Sports" ausgezeichnet worden. In Berlin zählen die Werner
Seelenbinder-Schule, das Coubertin-Gymnasium und die Flatow-Oberschule dazu. Für die Poelchau-Oberschule wurde eine entsprechende Einstufung beantragt. 
In Auswertung der Ergebnisse der Olympischen Spiele 2004 in Athen und zu Beginn des neuen Olympiazyklus 2005 bis 2008 ist eine Evaluierung der Eliteschulen des Sports durch den DSB vorgesehen.

Künftig soll - so die Vorstellungen des Sports - eine noch höhere Qualität bei der Verzahnung von Schule und Training abgestrebt werden. Der Tagesablauf wird nach dem Training ausgerichtet, Klassenzusammensetzungen orientieren sich nach den Trainingsgruppen in einer Sportart, im Bedarfsfall sollen Unterrichts- und Freizeitverlagerungen realisiert werden.
Hohe Anforderungen an die schulische Ausbildung bieten dabei die Gewähr, dass den Sportlerinnen und Sportlern im Hinblick auf ihre spätere berufliche Karriere keine Nachteile entstehen, alle Schulabschlüsse werden also möglich sein. Im Interesse der sportlichen Leistungsentwicklung hat sich bisher jedoch eine lange Verweildauer im Schulsystem - das heißt der Weg über das Abitur bewährt. Persönliche Förderpläne für Schüler/Sportler sollen helfen, für jeden Einzelnen den optimalen Weg hinsichtlich der schulischen und der sportlichen Ausbildung (duale Karriere) zu ebnen.
Voraussetzung für die Sicherung einer anspruchsvollen schulischen Ausbildung sind motivierte, verständnisvolle Lehrer, die
einen hochwertigen Fachunterricht erteilen und bereit sind,

Auch in Berlin ist - im Interesse der Leistungssportentwicklung hierzulande mit Blick auf Peking 2008 - die Diskussion über die künftige Profilierung dieser Schulen entfacht. 
Unter Leitung des Staatssekretärs Thomas Härtel ist eine Arbeitsgruppe mit Vertretern der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Sport, des Landessportbundes und des Olympiastützpunktes  (bei Einbeziehung betreffenden Schulleiter und von Elternvertretern) gebildet worden,  um ein Konzept zur Entwicklung der Berliner Eliteschulen des Sports zu erarbeiten, das dem Abgeordnetenhaus noch im Frühjahr 2005 vorgelegt werden soll. Aus der sicht des Sports ist die Zeit reif, um diese Schulen so auszugestalten, dass sie ihrem Titel entsprechend im wahrsten Sinne des Wortes "Eliten im Sport ausbilden können!". Seit Jahren wird ein Profilierungsprozess

sich den flexiblen Anforderungen einer solchen Schule mit besonderer pädagogischen Prägung zu stellen. Einen noch größeren Stellenwert als bisher werden schulische Fördermaßnahmen erhalten, um sportbedingte Ausfälle (Wettkämpfe, Trainingslehrgänge...) zu kompensieren. Stichworte sind Einzel- und Gruppenunterricht, Ausbau des E-learnings sowie auch die Möglichkeit, Schulzeitstreckungen in den Sekundarstufen I und II wahrnehmen zu können.
Bei der Verzahnung von Schule und Training wird ein noch engeres Zusammenwirken mit den hauptamtlichen Trainern unabdingbar sein. Ihre Einbindung in schulische Maßnahmen muss eindeutig geregelt sein (u.a. Wahlpflichtfach und Leistungskurs Sport).

der Eliteschulen des Sports von OSP und LSB (Gerber, Zinner, Schwarz) eingefordert.
Noch hat die o.g. Arbeitsgruppe ihre Tätigkeit nicht beendet. Es kann jedoch grob dargestellt werden, welche Überlegungen von Seiten des Sportes eingebracht werden.
Es wird das Ziel verfolgt, an den Eliteschulen des Sports die Förderung auf jene Schülerinnen und Schüler zu konzentrieren, die Leistungssport betreiben und die Voraussetzungen dafür bieten, einmal internationale Spitzenleistungen erreichen zu können. Letztendlich wird das zu einer Reduzierung - etwa einer Halbierung - der Schülerzahlen führen.
Gleichfalls wird es eine Konzentration von Sportarten an diesen schulen geben. Doppelangebote sollen in der Regel vermieden werden. Damit können die vorhandenen und noch dazu geringer gewordenen Betreuungskapazitäten zielgerichtet eingesetzt werden.
Es werden die vom DSB benannten Schwerpunktsportarten in Berlin sein, die zugleich Profilsportarten der Eliteschulen mit vorgegebenen Platzangeboten sind. Obwohl der DSB die Schwerpunktsportarten
für den kommenden Olympiazyklus 2005 bis 2008 noch nicht abschließend bestätigt hat, gehen wir unter Berücksichtigung der sportlichen Ergebnisse im vergangenen Olympiazyklus, der vorhandenen Kader- und Trainersituation sowie der bestehenden Förderstrukturen und Rahmenbedingungen davon aus, dass dazu die Sportarten Bogenschießen, Eisschnelllauf, Judo, Kanurennsport, Leichtathletik, Moderner Fünfkampf, Radsport/Bahn, Rudern, Segeln, Schwimmen, Wasserspringen und Turnen (männlich) sowie die Spielsportarten Basketball (männlich), Hockey, Volleyball
(einschließlich Beach) und Wasserball (männlich) zählen werden.
Das sind jene Sportarten, die im laufenden Olympiazyklus 2005 bis 2008 eine Spitzenförderung erhalten werden. Dazu hat das Präsidium des LSB bereits einen Beschluss gefasst.

Daneben werden weitere, sogenannte Projektsportarten (Spielsportarten) benannt, in denen Vereine bzw. Verbände die sportliche Betreuung der Schülerinnen und Schüler an den Eliteschulen übernehmen. Gleichfalls soll natürlich die Möglichkeit bestehen, in Einzelfällen bei freier Kapazität Einschulungen von Talenten in weiteren olympischen Sportarten vorzunehmen.

Eine neue Verantwortung wird den so genannten Lehrer-Trainern übertragen werden müssen. Sie sollen in allen Profil- und Projektsportarten eingesetzt werden und insbesondere im Bereich der Sichtung und Talentgewinnung mitwirken sowie Trainings- und Wettkampfmaßnahmen in den Eingangsklassen absichern helfen.
Im Interesse einer optimalen Förderung der leistungsstärksten Athletinnen und Athleten, die bewusst ihre leistungssportliche Karriere verfolgen, ist die Notwendigkeit verbunden, nicht nur die Aufnahmekriterien nach strengen Maßstäben umzusetzen, sondern auch den Verbleib und das Verlassen an diesen "Spezialschulen" zu regeln. Ein Verlassen wird dieser Schulen wird dann erfolgen müssen, wenn die sportliche Karriere beendet wird, bzw. die sportlichen Leistungen den Anforderungen nicht mehr entsprechen. Dafür sind bestimmte Zeiträume sinnvoll, wie der Übergang zur 7. Klasse, nach der 8. Klasse sowie nach der 10. Klasse. Eine Weiterführung der schulischen Ausbildung wird für die betreffenden Schülerinnen und Schüler in Kooperationsschulen mit Sportbetonung angeboten.Ein Quereinstieg an die Eliteschulen des Sports soll für Sportlerinnen und Sportler, welche die Aufnahmekriterien erfüllen, zu jeder Zeit möglich sein. Das trifft auch für Athleten zu, die aus dem Bundesgebiet kommen und ihre sportliche und schulische Laufbahn in Berlin fortsetzen möchten.
Hier schließt sich der Kreis zum Schulinternat, in dem die Leistungssportler in Nähe zur Eliteschule und zu den Trainingsstätten wohnen können. Im inzwischen in Berlin neu etablierten Haus der Athleten mit den Teilen Schulinternat, Wohnheim und Unterkunftsbereich sind dafür die entsprechenden Bedingungen weiter auszubauen. Neben der Verbesserung der Wohnqualität und der Sicherung einer sportlergerechten Ernährung ist aus der Sicht des Sports im Prozess der Umsetzung des Konzeptes zum Haus der Athleten die Klärung der Kostenfrage ein vordergründiges Anliegen. Hier sind auf politischen Weg schnell Entscheidungen zu treffen, um für Unterkunft und Verpflegung einen im bundesweiten Vergleich annehmbaren Preis festzulegen. Uns nutzen die besten Ideen und Konzepte zur Entwicklung des Leistungssports in Berlin nicht, wenn uns Erfolg versprechende Talente verloren gehen, weil Essen und Unterkunft unbezahlbar sind.


Für die Berliner Eliteschulen des Sports - und darin besteht Konsens - werden folgende Modelle anvisiert:

  • Es wird ein Schul- und Leistungssportzentrum Berlin gebildet, das an zwei Standorten schulisch und sportlich ausbildet, im Sportforum und in der Paul-Heyse-Straße. Hier werden künftig ausschließlich Leistungssportler aufgenommen, die im Klassenverband - orientiert an den entsprechenden Sportarten - unterrichtet werden. Dieses Schul- und Leistungssportzentrum stellt damit einen besonderen Schultyp dar, der leistungssportlich trainierende Schülerinnen und Schüler in den Mittelpunkt rückt - alle Schulabschlüsse anbietet - und in bestehende Schultypen nicht eingeordnet werden kann.

  • Die Flatow-Oberschule (Gymnasium und Realschule im Verbund) und die Poelchau-Oberschule (Gesamtschule mit gymnasialer Oberstufe) arbeiten nach dem Modell  "Sportschule in Schule". Das heißt, es werden pro Schule jährlich zwei Leistungssportklassen in festgelegten Sportarten gebildet, die alle Vorzüge einer Eliteschule des Sports genießen. Bei Beenden der leistungssportlichen Laufbahn ist ein Übergang in eine Regelklasse dieser Schulen gesichert.

Noch sind längst nicht alle Fragen im Zusammenhang mit diesen neuen Modellen geklärt. Mit einer zu erarbeitenden Rechtsverordnung für die Eliteschulen des Sports sind dafür wesentliche Eckpunkte und Rahmenbedingungen festzuschreiben sowie verbindliche Regelungen zu treffen.
Die Umsetzung ist als  Prozess zu betrachten, der - so ist es angedacht - offiziell mit dem Schuljahr 2006/07 beginnt und sich über einen mehrjährig Zeitraum vollzieht. Denkbar wäre es, diesen Umsetzungsprozess als Modellversuch unter Leitung der Senatsverwaltung für Schule, Jugend und Sport durchzuführen.
Berlin könnte dann - ähnlich wie beim Modellversuch "Schulen mitsportlichem Schwerpunkt" von 1992 bis 1996 - neue Maßstäbe für die Profilierung der Eliteschulen des Sports setzen.

Sabine Westphal

  Presseschau 

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