Bundeskonferenz der Eliteschulen des Sports ...

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2. Bundeskonferenz 
der Eliteschulen des Sports

Leipzig 2002


von Sabine Westphal
Stv. Leiterin des Olympiastützpunktes Berlin

Vom 12. bis 14. September 2002 fand unter dem Motto "Schule und Sport - gemeinsam zur Spitze!" die 2. Bundeskonferenz der Eliteschulen des Sports in Leipzig statt.
Anlass für die Wahl des Tagungsortes war zudem das 10jährige Bestehen des Sportgymnasiums Leipzig, welches aus einer ehemaligen Kinder- und Jugendsportschule hervorgegangen ist. Mit einer eindrucksvollen Sportgala am Abend des ersten Beratungstages wurde das Fortbestehen dieser Schule, die im übrigen durch den Einsatz von rund 25 Millionen EUR durch den Freistaat Sachsen umfassend saniert wurde gebührend gewürdigt. Zudem haben die Veranstalter vor Ort die Anwesenheit zahlreicher Repräsentanten aus allen Bundesländern (Schulleiter des Eliteschulen, Vertreter der Landessportbünde, der Olympiastützpunkte, der Spitzenverbände, der für den Sport zuständigen Landesministerien) augenscheinlich genutzt, um für die Stadt Leipzig - als eine der deutschen Bewerberstädte für die Olympischen Spiele 2012 überzeugend zu werben.

Das Anliegen dieser 2. Bundeskonferenz brachten der Leiter des Bereiches Leistungssport des DSB, A. Baumert, der Oberbürgermeister der Stadt Leipzig, W. Tiefensee, der Vertreter des Kultusministers, Herr Rensch, der Vertreter des BMI Herr Dr. Stock und der LSB-Generalsekretär Dr. Tippelt in ihren Grußworten einhellig zum Ausdruck.
Es gehe darum, Qualitätskriterien für die Eliteschulen des Sports zu formulieren und den Erfahrungsaustausch zur fortschreitenden Profilierung und inhaltlichen Ausgestaltung dieser Schulen weiterzuführen.

Wir als Berliner erinnern daran, dass die bescheidenen Anfänge dieses Erfahrungsaustausches im Rahmen des Modellversuchs "Schulen mit sportlichem Schwerpunkt` als sogenannte "Schulleitertreffen" regelmäßig in Berlin stattgefunden haben. Die Durchführung von nunmehr "Bundeskonferenzen der Eliteschulen des Sports" unterstreicht, dass diese Schulen inzwischen unumstritten deutschlandweit anerkannt und fester Bestandteil des Nachwuchsleistungssports in unserem Land sind.

Das bestätigte auch U. Feldhoff, Vizepräsident des DSB, in seinem Eröffnungsreferat, in dem er die Eliteschulen des Sports als "entscheidendes Element für den Nachwuchsleistungssport" kennzeichnete. Es gehe nunmehr um die Qualität dieser gegenwärtig 38 Schulen, in denen inzwischen mehr als 10.000 Sportler gefördert werden, betreut von mehr als 500 Trainern und rund 200 Internatspädagogen. Jeder sechste D-Kader und jeder dritte D/C bzw. C-Kader besucht eine Eliteschule des Sports. 38% der Teilnehmer bei den letzten Olympischen Spielen und 64% der Medaillengewinner haben eine Eliteschule besucht. An 18 von insgesamt 20 Olympiastützpunkten liegen Eliteschulen in unmittelbarer Nähe. In 90% der Regionalkonzepte sind die Eliteschulen als Bestandteil zur Sicherung des langfristigen Leistungsaufbaus vom Nachwuchs bis zur Spitze integriert.

Der DSB und die AG Eliteschulen erwarten die Formulierung eindeutiger, verbindlicher Kriterien für diese Schulen. Künftige Anerkennungen für Eliteschulen werden zeitlich an einen Olympiazyklus gebunden sein.

Prof. Emrich (Universität Frankfurt) ging u.a. in seinem Vortrag "Aspekte des Qualitätsmanagements für Eliteschulen des Sports" auf noch erhebliche Unterschiede in den "alten" und "neuen" Bundesländern ein. Während in den neuen Ländern in 94,7% der Eliteschulen Training am Vormittag möglich ist, bieten dies in den alten Ländern lediglich 52,2% der Schulen an. In 89,5% der Schulen in den neuen Ländern wird Hausaufgabenbetreuung realisiert, aber lediglich 18% der Schulen in den alten Ländern. 5,3% der Schüler in der Oberstufe nehmen in den neuen Ländern die Möglichkeiten zur Schulzeitstreckung wahr, in den alten Ländern sind es gegenwärtig 0%.
Als Gastgeber der Tagung nahm der Schulleiter des Leipziger Sportgymnasium die Gelegenheit wahr, seine Eliteschule ausführlich vorzustellen. 640 Schüler besuchen dieses Sportgymnasium, das für Sportlerinnen und Sportler aus Sachsen und auch für andere Bundesländer offen ist. Im angeschlossenen Internat sind 120 Plätze vorhanden. Die Klassenstärke beträgt maximal 24. Einen besonderen Stellenwert haben die Sportarten Judo, Kanurennsport, Kanuslalom, Schwimmen und Wasserspringen. Darüber hinaus werden Sportlerinnen und Sportler in 8 weiteren Sportarten an die Schule aufgenommen. Eine Aufnahme ist ab Klassenstufe 5 möglich. Es wird versucht, täglich zweimaliges Training zu gewährleisten. Ergänzend zur Vorstellung des Sportgymnasiums Leipzig sprach Dr. Rost "Zur zeitlichen Gesamtbelastung von Schülern des Sportgymnasiums Leipzig unter besonderer Berücksichtigung des Trainings". Dabei stellte er heraus, dass die Einschulungen unter Beachtung sportartspezifischer Aspekte erfolgen sollten, z. B: im Schwimmen ab Klassenstufe 5 oder in Spielsportarten ab Klassenstufe 7. Die Sicherung eines täglichen Trainings am Vormittag sei ein dringendes Erfordernis, um notwendige Trainingsumfänge im Wochenverlauf realisieren zu können. In einer Eliteschule des Sports muss es darüber hinaus möglich sein, individuelle Lösungen für den einzelnen Sportler zu finden.

Von besonderem Interesse war am zweiten Beratungstag das Referat (Fortschrittsbericht) von Prof. Hackfort zum Thema: Virtuelles Klassenzimmer. Da bisher sehr unterschiedliche Erfahrungen an den Eliteschulen vorliegen, wurde angeregt, eine Arbeitsgruppe zu bilden, die das weitere konzeptionelle Vorgehen berät und Erfahrungen weiter vermittelt.

In insgesamt sechs Arbeitskreisen fanden umfassende und anregende Diskussionen statt. Dabei ging es um den Austausch von Erfahrungen zu folgenden Inhalten:
- Lösungen zur Schulzeitstreckung in trainingszeitintensiven Sportarten;
- Rhythmisierung schulischer und sportlicher Abläufe im Wochen- und Jahresverlauf;
- Schulische Unterstützungsmaßnahmen für trainierende Kinder und Jugendliche;
- Erwartungen des Sports an die Weiterentwicklung der Eliteschulen;
- Virtuelles Klassenzimmer-Zum Einsatz neuer Medien bei der schulischen Ausbildung an Eliteschulen des Sports;
- Relegation von Leistungssportaussteigern - ein strittiges Thema.

Die 3. Bundeskonferenz der Eliteschulen des Sports wird voraussichtlich im September 2003 in Essen durchgeführt.

aus: 3 / 2002

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