VON HARALD
NIEMEYER
Aus 15 Metern Entfernung schaut sich Dorota Ligacz voller Konzen-
tration "ihren Feind" im Mommsen- stadion - die
Hochsprunglatte - an. Die liegt in 1,44 Meter Höhe. Eigentlich kein
Problem für die 15- jährige Schülerin der Poelchau- Gesamtschule in
Charlottenburg- Nord. Ihre persönliche Bestleistung liegt bei 1,54
Meter. Zehn Zenti- meter sind beim Hochsprung schon Welten. Doch die
blonde Neunt- klässlerin fasst sich an ihr frisch operiertes linkes
Knie, will sich damit Mut machen: "Die Bänder halten, keine
Probleme." Plötzlich kurze, energische Trippelschritte, dann weit
ausholend - und schon fliegt ihr schlanker Körper über die Latte.
Geschafft, Dorota freut sich.
Nur noch sie ist für ihr Schulteam beim Landesentscheid Mädchen,
Wettkampf III (Jahrgänge 1985 bis 1988) "Jugend trainiert für
Olympia" im Wettkampf. Behiye Puls und
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Rentmeister
sind schon aus- geschieden. Genaue Beobachter haben aber gesehen, dass
Dorota die Latte leicht berührt hatte. Sportlehrer Karsten Sokolowski:
"Sie hat noch Probleme mit ihrem Knie, steht noch nicht richtig im
Training." Er sollte Recht behalten; die aufgelegten 1,48 Meter
riss die Poelchau-Schülerin in allen drei Versuchen. "Trotzdem bin
ich mit mir zufrieden. Jetzt werde ich mich auch beim Weitwurf
anstrengen," versprach das Sporttalent.
Nur die Poelchau-Gesamtschule hatte sich bei den Mädchen aus den drei
Bezirken Charlottenburg, Schöneberg und Wilmersdorf für das Finale
qualifiziert. Bei den Jun- gen war die Schule ebenfalls am Start. Aber
auch die Rheingau- Oberschule aus Schöneberg hatte das Finale ganz
knapp erreicht. "Wir sind aber ohne große Hoff- nungen ins
Mommsenstadion ge- kommen. Unsere Besten sind auf Klassenreisen, doch
wir wollten nicht absagen", erklärt Sportlehrerin |
Petra
Curtin. Die Pädagogin sollte Recht behalten: Die "Rheingauer"
kamen in der Teamwertung mit 5245 Punkten über den letzten Platz nicht
hinaus. Mehr als 1000 Punkte trennten sie vom letzten Platz. Die
Poelchau-Jungen erreich- ten mit 7321 Punkten den Bronze- Platz, knapp
hinter der Spandauer Vertretung der Martin-Buber- Oberschule. Gold ging,
keiner hatte etwas anderes erwartet, an die Jungen der
Werner-Seelenbinder- Schule aus Hohenschönhausen. "Dass die
Sportschule vorn liegen würde, war klar", kommentiert Karsten
Sokolowski.
Bei den Mädchen ging Silber an das Team von Dorota Ligacz. Die Mädchen
freuten sich, waren ihren Konkurrentinnen aus Hohenschön- hausen aber
doch unterlegen. "Macht nichts, wir haben alle gut gekämpft",
schaut Dorota auf den Wettkampf zurück. Die Mädchen und Jungen der
Seelenbinder- Schule vertreten Berlin jetzt Ende September bei
"Jugend trainiert für Olympia". |