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Schule der jungen Sport-Elite

Gezieltes Training in elf Sport-Disziplinen und dazu noch Mittlere Reife oder Abitur – die Berliner Poelchau-Oberschule ist auf der ganzen Linie erfolgreich. Nicht nur Hertha BSC nimmt den Nachwuchs der Eliteschule des Sports mit Kusshand.


„Direkter nach vorn. Schneller abspielen, höchstens drei Kontakte.“ Immer wieder ruft Jugendtrainer Jürgen Druschky die gleichen Anweisungen auf den Platz. Fanol nimmt den Ball in vollem Lauf sicher an und spielt ihn sofort auf den Flügel weiter zu Patrick. Flanke, Kopfball, Tor. Der Ball läuft gut, die Jungen spielen präzise und schnell. Wer ihnen zuschaut sieht die Zukunft des Fußballs in Deutschland rosig. Druschky ist mit dem Trainingsspiel zufrieden.

Gute Chancen für Talente: Schulleiter Rüdiger Barney mit Nachwuchsspielern des Bundesligavereins Hertha BSC von der Poelchau- Oberschule.

Es ist kurz nach halb neun, die Schüler der Poelchau-Oberschule absolvieren ihre erste Trainingseinheit, wie an jedem Morgen. Der normale Unterricht beginnt um zehn Uhr. Schulleiter Rüdiger Barney steht am Spielfeldrand und schaut „seinen Jungs“ aufmerksam zu, wie sie sich auf den Bundeswettbewerb „Jugend trainiert für Olympia“, mit jährlich 900 000 Teilnehmern der größte Schulsportwettbewerb der Welt, vorbereiten. Es geht mit vollem Einsatz zur Sache - hart, aber fair. Nach einem Zusammenprall bleibt ein Spieler liegen. Sein Gegenspieler reicht ihm die Hand, ein klaps und es geht weiter. "Ich glaube, wir werden unseren Titel verteidigen", sagt Barney.

Die Poelchau-Oberschule ist eine von vier sogenannten Eliteschulen des Sports in Berlin. Von außen unterscheidet sich der Plattenbau aus den 70er- Jahren kaum von anderen schulen. Aber hier lernen rund 990 Jungen und Mädchen nicht nur für die Mittlere Reife oder das Abitur, sondern werden gleichzeitig auch als Leistungssportler gefördert. Zwischen elf verschiedenen Sportarten können die Schüler an der Poelchau-Oberschule wählen: von modernem Fünfkampf über Hockey, Tischtennis oder Rudern bis zu Tanzen.

Stolz erinnert sich der engagierte Schulleiter an den Gewinn des Bundesfinales der Schulmannschaften im vergangenen Jahr. Zur Belohnung durften die Poelchau-Oberschüler im April zur Weltmeisterschaft nach Santiago de Chile fahren. Und schaftten, was der deutschen Fußballnationalmannschaft verwehrt blieb: Sie wurden Weltmeister! In der Endrunde setzten sie sich gegen die Konkurrenz aus 23 Ländern durch. 2:1 gewannen die 15- und 16-jährigen Nachwuchskicker das Endspiel ihrer Altersklasse gegen die Mannschaft aus Südafrika. Barney: "Italien haben wir im Viertelfinale sogar mit 6:0 vom Platz gefegt."
Der voluminöse Siegerpokal dominiert den Tresen im Sekretariat. Der Platz dort ist mittlerweile knapp: Die Trophäe für den Gewinn der Schulweltmeisterschaft im Tennis steht daneben. Diesen Titel gewann die Mädchenmannschaft im Mai in Warschau. "Solche Erfolge sind die Belohnung für unsere intensive Förderung", sagt Barney.

Besonders eng arbeitet die Poelchau-Oberschule mit dem Fußball-Bundesligisten Hertha BSC zusammen: Fast alle Jugendspieler des Vereins drücken hier die Schulbank. Patrick Ebert und Amadeus Wallschläger gehören zu den ehemaligen Schülern der Poelchau-Oberschule, die es kürzlich in die Bundesliga-Mannschaft von Hertha BSC geschafft haben. So weit wollen es auch die Schülerweltmeister Patrick Podrygala und Fanol Perdedaj aus der B-Jugend von Hertha bringen. Durchgeschwitzt und dreckverschmiert  traben sie nach dem morgendlichen Training zu den Umkleidekabinen. „Fast jeder von uns will Profifußballer werden“, sagt Fanol. „Aber trotzdem machen die meisten nach der Schule sicherheitshalber eine Ausbildung.“ 

Die Deutsche Bahn als Hauptsponsor von Hertha BSC unterstützt die jungen Sportler auch dabei. „Im September werden drei Nachwuchsspieler von der Poelchau-Oberschule ihre Ausbildung als Kaufleute für Verkehrsservice beginnen“, so Gabriele Handel-Jung, Leiterin Konzernmarketingservices und Media der DB AG.Ziel des Engagements für die Jugendlichen, das einen Schwerpunkt in der Sponsoring-Arbeit des DB-Konzerns bildet, ist eine enge Vernetzung ihrer sportlichen und beruflichen Zukunftsentwicklung.

Etwa 200 Schüler spielen Fußball, davon 60 Mädchen. Den Jugendlichen werden jeden Morgen eineinhalb Stunden Zeit für eine zusätzliche Trainingseinheit eingeräumt, unter optimalen äußeren Bedingungen und fachkundiger Anleitung ihrer Trainer. "Im Hochleistungsbereich reicht es in den meisten Disziplinen nicht aus, nur einmal am Tag zu trainieren", so Barney.

Der nächste sportliche Höhepunkt für die jungen Hauptstadt-Kicker ist „Jugend trainiert für Olympia“ im September in Berlin. Daran nehmen nicht nur die Fußballer teil, sondern auch Leichtathleten, Hockeyspieler, Ruderer und andere Sportler von der Poelchau-Oberschule, insgesamt mehr als 50 Aktive. Erwartet werden annähernd 4000 Nachwuchstalente aus ganz Deutschland. Die Deutsche Bahn, seit mehr als zehn Jahren Partner des Wettbewerbs, fährt die Sportler zu den Bundesfinalveranstaltungen und organisiert auch deren Unterbringung. Bereist beim Bundesfinale im Frühjahr, bei dem sich jedes Jahr die besten Nachwuchs-Hallensportler messen, waren mehr als 3500 Jugendliche dabei.

Egal, ob die Fußballer ihren Titel verteidigen oder nicht: Für die Poelchau-Oberschule wird "Jugend trainiert für Olympia" auf jeden Fall ein Erfolg. "Wir hoffen, anlässlich dieser Veranstaltung als offizielle Eliteschule des Fußballs ausgezeichnet zu werden", sagt Barney. Dieses Zertifikat vergibt der Deutsche Fußball-Bund an Schulen, die den Kicker-Nachwuchs intensiv fördern. Damit einher geht eine finanzielle Unterstützung im fünfstelligen Bereich.

Schulleiter Barney blickt optimistisch in die Zukunft. "Vielleicht sind einige unserer Schüler schon nächstes Jahr bei den Olympischen Spielen in Peking dabei, spätestens aber vier Jahre darauf in London", sagt er. Und wer weiß: Vielleicht ja auch bei der Fußball-WM 2010 in Südafrika..."     VOLKER WARTMANN

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