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Berlin
- Schlimmer hätte die Woche für die Fußball-A-Junioren von Hertha
BSC eigentlich nicht verlaufen können. Erst die unglückliche
0:1-Niederlage in der Regionalliga Nordost gegen Hansa Rostock, bei der
der Bundesliga-Nachwuchs gleich ein Dutzend Einschussmöglichkeiten
ungenutzt ließ. Und dann kam auch noch das Viertelfinal-Aus im
DFB-Junioren-Pokal gegen Schalke 04 (1:3). Immerhin blieben die
B-Junioren dank des 4:1 gegen Verfolger Rostock Klassenprimus.
Pleitenwoche hin, Regionalliga-Spitze
her - eines ist gewiss: die Jugendarbeit stimmt bei Hertha BSC. Seit dem
Bundesliga-Aufstieg der Profis 1997 ging es auch mit den
Nachwuchskickern mächtig berauf. Inzwischen gehören sie zu den besten
der Region und seit Beginn dieser Saison trägt das Kind auch einen
Namen: Hertha BSC Fußball-Akademie.
Die Philosophie des Projekts, das
nach Besuchen in Europas besten Nachwuchsschulen entstand und mit Falko
Götz, ehemals Fußball-Profi in Berlin, Leverkusen und Köln, einen
Koordinator bekam, geht weit über ein ordinäres Fußballtraining
hinaus. «Wir wollen Persönlichkeiten entwickeln», erklärt Götz das
Ziel. Dazu gehört, dass sich die Talente auch abseits des Rasens
entwickeln.
Charaktereigenschaften wie Ordnung
und das Verhalten untereinander sind unverzichtbar in einem
Mannschaftssport. Deshalb sind auch Fernseher und Computer in den
Einzelzimmern des neu gegründeten Internats tabu. 14 der 18 Wohnräume
werden derzeit von Talenten der A- und B-Junioren belegt. Die restlichen
bleiben für Probespieler frei.
Internetcafés und Spielsalons sorgen
für Entspannung in der wenig vorhandenen Freizeit. Die Jungs können
nicht alles machen, was ihre gleichaltrigen Freunde unternehmen. Doch «im
Verzicht liegt die Chance», so Götz.
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Jeder
Internat-Bewohner hat eine Patenschaft mit einem Spieler aus der
Profi-Mannschaft. «Da trifft man sich ab und zu zum Kaffeetrinken», so
Michael Preetz. Aber nur wenige halten den Kontakt so intensiv wie
Andreas Neuendorf: «Zecke müssen wir schon mal rausschmeißen»,
berichtet Götz.
Durch die Lage auf dem Vereinsgelände
laufen sich Profis und Nachwuchskicker des öfteren über den Weg. Ein
Vorteil, der der Motivation im nicht immer leichten Alltag zuträgt.
Im dreimal wöchentlich
stattfindenden Mannschaftstraining legen die Betreuer Wert auf Technik
und Taktik. Hinzu kommt Balltraining, Aerobic für die Beweglichkeit,
Karate für die Körperspannung und einiges mehr.
Um nicht nur die Übungseinheiten
zu optimieren, sondern auch eine gute schulische Ausbildung zu schaffen,
kooperiert der Verein mit der Poelchau-Oberschule. «Schule geht vor Fußball»,
erklärt Götz. Schließlich erfüllt sich bei den meisten nicht der
Traum vom Fußballberuf. So kommt es schon mal vor, dass einem
Jugendlichen wegen schwacher schulischer Leistungen ein Trainingsverbot
auferlegt wird.
Hertha BSC versteht sich als
Ausbilder der Region. So bleibt das Internat den wenigen auswärtigen
Talenten vorbehalten. A-Junioren-Trainer Michael Wolf: «Mein persönlicher
Anspruch besteht darin, Berliner Fußballern die Tür zum Leistungssport
zu öffnen.» Die Herthaner wollen mit ihrer Akademie die Basis dafür
schaffen, diese hochtalentierten Kicker in der Stadt und dem Verein zu
halten. Und nicht wie in den Jahrzehnten zuvor mitansehen müssen, dass
Talente aus der Hauptstadt wie Thomas Häßler, Christian Ziege sowie
Niko und Robert Kovac in der Ferne ihr Glück suchten und fanden. |